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Chimera

Im Juni 2019 wurde ich von der Europäischen Rundfunkunion kontaktiert, die zur Feier des Beethoven-Jubiläums im Jahr 2020 ein einminütiges Auftragswerk vergeben wollte. Das kurze Orchesterstück sollte von Beethoven inspiriert, in seinem Geiste komponiert, aber individuell gestaltet sein und des Weiteren von einem der BBC-Orchester für das Radio aufgenommen werden. Die Anfrage war insofern interessant, als ich mich Beethoven ‒ bei aller Bewunderung für seine Musik ‒ nicht sonderlich verbunden fühle und auch nicht weiß, ob und wie seine Musik meine beeinflusst haben könnte. Was mich zu Reflexionen veranlasste und schließlich auf die Idee brachte, kurze Auszüge aus seiner zweiten Symphonie zu verwenden, in der die Energie und thematische Schönheit, die seine Werke auszeichnen, deutlich zum Ausdruck kommen. Ich verband dann die ersten und letzten Takte dieser Symphonie mit musikalischem Material aus meinem Orchesterstück Orion, das aufgrund seiner spezifischen Orchestrierung einen Kontrast zur Beethoven-Symphonie bildet. Ich wollte in Chimera aber nicht nur fokussieren, was für uns höchst charakteristisch ist, sondern auch zeigen, was sich in den 250 Jahren seit Beethovens Geburt in der Orchestermusik verändert hat. Ein wichtiges Element seiner wie auch meiner Kompositionen ist der mächtige Tutti-Akkord, der eine der tragenden Säulen unserer Musik ist und der Interpunktion dient. Hier jedoch markieren diese Akkorde die Wasserscheide zwischen zwei musikalischen Welten.

Kaija Saariaho, Übersetzung: Friederike Kulcsar
Interpret/innen

ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Dirigentin: Marin Alsop

Komposition: Kaija Saariaho

Termine
09.10.2020 | 19:30
Location
Helmut List Halle
Konzert
Österreichische Erstaufführung
Dieses Werk gehört zu dem Projekt:
musikprotokoll 2020 | RSO Wien /2020

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