musikprotokoll 2026

 

Supernova

3.10.‒11.10.

Wenn wir hinauf zu den Sternen schauen, dann blicken wir in einen Spiegel: Die scheinbar unendliche Tiefe des Universums finden wir auch in uns selbst, denn die Elemente, aus denen wir und unsere Mitlebewesen zusammengesetzt sind, sind entweder kurz nach dem Urknall oder durch Kernfusionen im Inneren von Sternen entstanden.

Das ORF musikprotokoll begibt sich heuer auf die Suche nach dem Ursprung. In zahlreichen Uraufführungen spüren die eingeladenen Künstler:innen der Verbindung zwischen dem Mikro- und dem Makrokosmos nach. Einen Kristallisationspunkt bilden die Ausstellung Supernova und das Symposium Space, Time and Material: Trajectories between Art and Science mit Lehrenden, Forschenden und Studierenden der Kunstuniversität Graz und der Universität Graz. Inspiration schöpften diese bei der SciArt Dialogue Week 2026 am CERN. 

Die Ausstellung Supernova findet im Volkskundemuseum statt, das dieses Mal ein Festivalzentrum ist. In Worlds / Graz begibt sich u.a. Natasha Barrett auf die Suche nach Dunkler Materie. Dass ein Klavier niemals vollends aus der Stimmung und Fassung zu bringen ist – nicht einmal dann, wenn es in seine Einzelteile zerlegt wurde – zeigt die Performance Das relativ wohltemperierte Klavier.

Der erste Konzertabend führt in den Dom im Berg, wo unter anderem Marcus Schmickler und Chris Henschke versuchen, der Quantenphysik ein Stück näher zu kommen, und Elisabeth Schimana zu einer Reise in die Sonne lädt. Bei S.E.T.I. wird die Suche nach extraterrestrischer Intelligenz zu einem Werkzeug der Introspektion.

Aber nicht nur auf naturwissenschaftlicher und philosophischer, sondern auch auf gesellschaftlicher und politischer Ebene lassen sich vielfältige Verbindungen zwischen dem Mikro- und dem Makrokosmos finden. Welche Risiken ist ein einzelner Mensch bereit, einzugehen, um gesellschaftspolitisch wirksam zu werden? Mehrmals hat das ORF musikprotokoll die Aufmerksamkeit auf die politische Gefangene Maria Kalesnikava gerichtet. Nach ihrer Entlassung im Dezember 2025 spielt die belarussische Flötistin und Bürgerrechtlerin nun mit dem RSO Wien in der Helmut List Halle.

Die Helmut List Halle ist ein zweiter zentraler Spielort. In der multimedialen Performance THE GREATER NOISE von Jennifer Walshe schrumpft das Universum auf die Größe des Konzertsaales. Weiters stehen Auftritte der Ensembles Zeitfluss, PHACE und Cantando Admont auf dem Programm. Unter der Leitung von Cantando Admont widmen sich mehr als 250 Sänger:innen – Profis, Jugendliche und Laien – der musikalischen Entschlüsselung von Leonardo da Vincis Klangrätsel und bringen dabei unter anderem Beat Furrers Chorzyklus ENIGMA zur Aufführung.

Das und noch mehr gibt es in dieser musikprotokoll-Woche zu erleben, die mit der Kammeroper Heute schrieb ich nix von Alexander Chernyshkov zu Ende geht. Sie wurde mit dem Johann-Joseph-Fux-Preis ausgezeichnet. Ganz zum Schluss noch einmal zurück zum Anfang: Genau genommen beginnt das Festival im Festival heuer bereits am 3. Oktober mit Graz spielt Steve Reich, einem 24-stündigen Fest unter der Leitung von STUDIO PERCUSSION graz zur Feier von Steve Reichs 90. Geburtstag. Rund 90 Musiker:innen sowie ein Extremsportler gestalten dieses einzigartige Ereignis, das den klassischen Konzertsaal verlässt und die Stadt selbst zur Bühne macht.

 


 

Kuratiert von Rainer Elstner, Susanna Niedermayr und Fränk Zimmer
Leitung: Elke Tschaikner
Produktion: ORF Radio Österreich 1 und ORF Steiermark
In Koproduktion mit steirischer herbst ʼ26

In Kooperation mit art@CMS/ORIGIN, atmoky, Café Wolf, CERN – European Organization for Nuclear Research (mit den Experimenten ATLAS – A Toroidal LHC ApparatuS, ALICE – A Large Ion Collider Experiment, CMS – Compact Muon Solenoid, LHCb – Large Hadron Collider beauty sowie IdeaSquare – Innovation Space am CERN), esc medien kunst labor, Florida State University, Graz Museum, HEPHY – Institut für Hochenergiephysik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Wien), IEM – Institut für Elektronische Musik und Akustik, Kunsthaus Graz, Kunstuniversität Graz / Institut 11 Bühnengestaltung, Ö1 Kunst zum Hören, ppcm – Performance Practice in Contemporary Music Instrumental und Vokal, RMIT University, Sounding Future, STUDIO PERCUSSION graz, Universität Graz (Institut für Kunst- und Musikwissenschaft und interdisziplinärer Schwerpunktbereich „Wahrnehmung: Episteme, Ästhetik, Politik" der Geisteswissenschaftlichen Fakultät), The University of Alabama, VDT – Verband Deutscher Tonmeister*innen, Volkskundemuseum am Paulustor.

Das ORF musikprotokoll 2026 wird gefördert von Ernst von Siemens Musikstiftung und VGR – Verwertungsgesellschaft Rundfunk. Den Schwerpunkt Kunst und Wissenschaft dieser Ausgabe unterstützt die AVL Cultural Foundation Privatstiftung.

Einzelprojekte wurden gefördert von Adam Mickiewicz Institut, Arbeiterkammer Steiermark, Art Mentor Foundation Lucerne, Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, Creative Australia, GFÖM – Gesellschaft zur Förderung österreichischer Musik, IGNM – Internationale Gesellschaft für Neue Musik, Land Steiermark, ÖGZM – Österreichische Gesellschaft für zeitgenössische Musik, Polnisches Institut Wien, Pro Helvetia, Region Graz, SKE, Stadt Graz.