spreading, like something spilled, like a stain

In einer der brutalsten und erschütterndsten Szenen in Teju Coles Open City begegnet Julius, der Protagonist des Buches, auf einem seiner Streifzüge durch das New Yorker Viertel Morningside Heights einer Gruppe junger Männer, die ihn unvermutet und ohne ersichtlichen Grund zusammenschlagen. Und während er spürt, wie auf ihn eingetreten wird, bekommt die Immaterialität der Zeit für ihn eine neue Bedeutung: „Mein Kopf war leer, abgesehen von diesem einen Gedanken, der nun in meinen Augäpfeln pochte und fast noch mehr weh tat als die eigentlichen Schläge. Wir sind es gewohnt, Zeit als Material zu beschreiben, wir ‚verschwenden‘ Zeit, wir ‚nehmen‘ uns Zeit. Als ich dort lag, wurde Zeit auf neue, bisher unbekannte Weise zu Material: Bruchstücke, herausgerissene lose Büschel, ein sich ausbreitender Fleck wie von verschütteter Flüssigkeit.“* Diese Textstelle inspirierte mich dazu, das Phänomen der Zeit zum Thema meiner Komposition zu machen und Coles überaus poetische Beschreibung der Zeit und ihres fluiden Wesens in Musik umzusetzen.

* Teju Cole: Open City. Aus dem amerikanischen Englisch von Christine Richter-Nilsson. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012.

William Dougherty (Übersetzung: Friederike Kulcsar)
Interpret/innen

Talea Ensemble
Komposition: William Dougherty

Kooperationen

Mit freundlicher Unterstützung der AVL Cultural Foundation.

Die Komposition von William Dougherty ist der Emil-Breisach- Kompositionsauftrag vom ORF musikprotokoll.

Termine
Location
Helmut List Halle
Konzert
Uraufführung
Dieses Werk gehört zu dem Projekt:
musikprotokoll 2018 | Talea Ensemble