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Take 1
Take 1

Zur Musik von O'Rourke, Dafeldecker, Fennesz, Kurzmann

Improvisation ist ihre Vorbereitung. Ihr gehen jahrelange Klangrecherchen und die sehr persönliche Ver- und Bearbeitung dieser erhaltenen Informationen voraus. Schon allein der Prozess der aktiven Präparationen löst den Klang aus seineGorgonenexistenz.

So auch hier: Die Musiker dieses Quartetts betreiben, jeder auf seine ganz individuelle Weise, akustische Grund­lagenforschung, zumal und das ver­bindet sie trotz unterschiedlichster ästhetischer Schwerpunktsetzungen die behutsame Untersuchung der „Peripherie" von Klangphänomenen einen zentralen Punkt ihrer Arbeit darstellt. Die dem improvisatorischen Akt vorausgehende Schaffung eines per­sönlichen Klangarchivs, welches hier die unspektakulären" klanglichen Gegebenheiten, aber auch die noch brauchbaren Bestände musikalischer Konventionen in seiner Sammlung hat, eröffnet ein Repertoire von Möglichkeiten, die den vier Musikern immer offenstehen und die im Verlauf der improvisatorischen Interaktion aktivierbar sind.

Beispielsweise das Geräusch: zahlreiche Teilschwingungen, zwischen denen kein gesetzmäßiger Zusammenhang besteht und deren Frequenzen, der Musik / Abteilung abendländische Züchtigungslinie auszumerzen vers­ucht, durch die Schallaufzeichnung wieder ein Thema und in der music concréte  zum  zentralen Bestandteil der Komposition wurde. Das Geräusch also steht heute u.a. durch die frühen Arbeiten eines Eugene Chadbourne oder eines Helmut Lachenmann schon längst emanzipiert neben anderen musikalischen Klangmanifestationen.

Seine Ausdifferenzierung ist jedoch bei weitem noch nicht abgeschlossen und bekommt einen neuen Akzent durch die rezenten Bearbeitungsmöglichkeiten  mittels  Computerdie  wiederum mit der Spielweise auf „traditionellen" Instrumente rückkoppeln und zurück. Ein Aspekt, dem sich R D F K widmen. Wie Perseus Medusa mit dem Spiegel betrachtet hat, um seiner Versteinerung zu entgehen, drehen R D F K ihr musikalisches Spiegelteleskop ins All der kleinen", ,,unnützen" Klänge, um der „maximal versteinerten" Konzeption von Melodie, Harmonie oder Rhyth­mus gehörig das Haupt  zu verdrehen, wenn nicht gar abzuschlagen. Das ist nicht schlimm, sondern klug: Athene trug bekanntlich das Haupt der Medusa als Brustpanzer und erwies der Tat Perseus´, aber damit auch der zerstörerischen und „archivierenden" Kraft der Gorgonen ihre Ehre.

Leon Rosa Eisen
Interpret/innen

Gitarre, electronics: Jim O'Rourke 
Kontrabass, electronics: Werner Dafeldecker
electronics: Christian Fennes
Klarinette, There­min, electronics: Christof Kurzmann

Kooperationen

Auftrag des Musikprotokoll

Termine
Location
p.p.c. (ehem. Theatro)
Konzert
Dieses Werk gehört zu dem Projekt: