Echo (2017) ©  courtesy of Nona Inescu and SpazioA gallery
L'ampleur du souffle (2020)
L'ampleur du souffle (2020)

Aufgrund der Pandemie sind wir gezwungen, mehr Zeit in unseren privaten Räumen zu verbringen, in Innenräumen, wo uns ständig Mauern die Sicht versperren. Weites, offenes Land, frische Luft und unberührte Natur liegen für die meisten von uns, die wir in der Stadt leben, in unerreichbarer Ferne, dennoch sehnen wir uns danach, haben wir immer noch diese unbestimmte Sehnsucht nach einer Art ultimativen Befreiung. Dadurch rückt unser Raumgefühl in den Vordergrund, es ist in unserem Leben mit einem Mal so präsent, dass wir Alternativen durchzuspielen beginnen, indem wir entweder renovieren und die Möbel umstellen oder vom Reisen träumen. In der Musik ist es dank neuester Technologien und avancierter Kompositionstechniken möglich, rasch zwischen alternativen Räumen hin und her zu wechseln. Indem wir den Raum mit Klang modellieren, können wir eine fiktive Realität erschaffen, die das Ohr fasziniert und den Geist beflügelt, wobei wir die uns umgebenden Wände umgehen.

Atmen bedeutet, einen bestimmten Raum zu aktivieren. Kurze Atemzüge, tiefe Atemzüge, letzte Atemzüge oder lustvolle – jede dieser Atemweisen evoziert natürlich gewisse Bilder und Gedanken. Der Atem ist auch eine Voraussetzung für die Stimme, für das gesprochene Wort. Er ist Ausgangspunkt und Grundlage jeder physiologischen und philosophischen Aktivität und wesentlich für alles, was wir sind und was wir tun. Dennoch ist heutzutage nicht nur unsere Atmung beeinträchtigt: frische, saubere Luft ist zu einer gefährdeten Ressource geworden.

Die Musikalität dieser Konzepte schafft einen Rahmen, den ich mit einer Reihe von sich kontinuierlich verändernden Hörsituationen füllen konnte. Die ständige Fluktuation und Transformation des musikalischen Materials soll das Ohr stimulieren – allerdings nicht dazu, sich anzupassen, es soll vielmehr offen und empfänglich für die inhaltliche Heterogenität sein, wie auch der Geist dazu animiert werden soll, es dem Ohr gleichzutun.

Svetlana Maraš, Übersetzung: Friederike Kulcsar
Kooperationen

Konzept: Fränk Zimmer. Koordination: Robert Höldrich . Technische Entwicklung: Lukas Gölles, Matthias Frank, Franz Zotter. In Kooperation mit dem Institut für Elektronische Musik und Akustik der Kunstuniversität Graz – IEM. Alle Klangumgebungen dieses Projektes sind Auftragswerke des ORF musikprotokoll.

Termine
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Location
MUMUTH
Installation
Österreichische Erstaufführung
Dieses Werk gehört zu dem Projekt:
musikprotokoll 2021 | tingles & clicks /graz