Inolas Lieder
Inola Gurgulias Lieder

Inola – in Georgien ein Name von großer Strahlkraft, den jeder sogleich mit dem magischen Timbre der ersten weiblichen Bardin des Landes verbindet, ihrer von den zarten Klängen einer siebensaitigen Gitarre begleiteten legendären Stimme. 1950-1970 wurden Inola Gurgulias Lieder unter den stalinistischen und poststalinistischen Regimen von ihren Zeitgenossen mit persönlicher Freiheit gleichgesetzt und ihre schönen, eingängigen Melodien waren fester Bestandteil des musikalischen Undergrounds jener Zeit. Obwohl Inola in ihren Liedern keine politischen Themen behandelte, wurden diese von der sowjetischen Regierung als ideologisch subversiv betrachtet, weshalb ihr große Auftritte und der Durchbruch verwehrt blieben.

Als profunde Kennerin der englischen Literatur und Sprache war Inola auch eine überaus produktive Übersetzerin englischer und amerikanischer Prosa und Lyrik. Zu den Werken, die sie den Lesern Georgiens zugänglich machte, zählen u. a. Hemingways Klassiker Wem die Stunde schlägt, Mitchell Wilsons Roman Hochspannung sowie über 100 Gedichte vonJohn Donne, Byron, Shelley, Longfellow, Frost und anderen. Mehrere Songs von Inola haben englische Texte.

Am Fremdspracheninstitut Tiflis, an dem Inola studierte (und später unterrichtete), gründete sie das Frauentrio Samaia, dessen Repertoire großteils aus den Liedern der Künstlerin bestand. Das Trio war dafür bekannt, drei Stimmen auf eine bis dahin in Georgien unbekannte Weise einzusetzen. Es brachte mehrere Platten heraus, seine Auftritte wurden gelegentlich auch in Radio und Fernsehen übertragen. Bei öffentlichen Auftritten und Aufnahmen interpretierte das Trio jedoch nie Songs von Inola, die westliche oder amerikanische Einflüsse, insbesondere aus dem Jazz, aufwiesen, obwohl der Großteil ihres Repertoires aus ihrer Studienzeit davon geprägt war. Verbreitung fanden diese geheimen Lieder bei Treffen im Freundes- und Familienkreis. Inolas Sololieder erfreuten sich besonderer Beliebtheit. Ihr Hauptanliegen war es, ihrer Liebe zur Freiheit Ausdruck zu verleihen, was ihr trotz der Zensurversuche des Sowjetregimes auch gelang. Inolas Lieder sind bis heute nicht nur bei der älteren Generation, sondern auch bei der Jugend populär. Dank ihrer wunderbaren Kinderlieder sind auch Kinder von ihrer Musik begeistert.

Die Begegnung von zwei musikalischen Innovatoren Georgiens – Inola Gurgulia und Mikheil Shugliashvili – und ihre Liebe zueinander war kein Zufall. Trotz der Unterschiedlichkeit ihrer musikalischen Sprachen waren sie einander immer eine Quelle der Inspiration und kreativen Energie. Aufnahmen aus den Familienarchiven, auf denen die beiden gemeinsam Inolas Lieder singen, vermitteln einen Eindruck ihrer tiefen Verbundenheit. Die Entscheidung des ORF musikprotokoll, Inolas Lieder bei einem Festival moderner Musik zu präsentieren, wird den Zuhörerinnen und Zuhörern die von Sehnsucht nach Freiheit beseelte Musik Georgiens aus dem vergangenen Jahrhundert näherbringen und einen umfassenderen Eindruck von den Hintergründen vermitteln, die einen der Pioniere der musikalischen Avantgarde Georgiens – Mikheil Shugliashvili – prägten.

David Shugliashvili (Übersetzung: Martina Bauer)
Interpret/innen

Gitarre und Gesang: David Shugliashvili, Gesang: Tamuna Tolordava

Termine
Location
Grazer Congress – Kammermusiksaal
Konzert
Dieses Werk gehört zu dem Projekt:
musikprotokoll 2019 | Georgian Songs - Inolas Lieder