Konzert
Uraufführung

Termine: 

07/10/2007 - 19:30

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Biografien: 

weiten und male

weiten und male - für Tenor, Violine und Elektronik nach einem Text von Christine Huber

Impuls für die ungewöhnliche Besetzungsidee (Tenor und Violine) war ein nachhaltiges Filmerlebnis. In The Night of the Hunter verkörpert der Schauspieler Robert Mitchum den mordenden Wanderprediger Harry Powell. Seine Male sind die Tätowierungen an den Fingern seiner beiden Hände. Links HATE und rechts (die Hand des Herrn) LOVE zeichnen ein eindrucksvolles Bild eines psychopathischen Zustandes, der auch für den Schauspieler zu einem Horrortrip wurde. Er identifizierte sich so stark mit seiner Rolle, dass er erst Jahre später über die Arbeit zu diesem Film sprechen konnte. Die Überzeichnung des Schlechten und Bösen ist in der beunruhigenden Grundstimmung des Films von solch archaischer Eindringlichkeit, dass mein Verweis auf den Film nicht als Inhaltsangabe des vorliegenden Musikstückes zu verstehen ist, sondern als künstlerische Reflexion, die über den Film hinausgeht.

Als ich die Autorin Christine Huber im Café traf, um mit ihr über einen möglichen neuen Text zu sprechen, war für sie die Information, dass der Text von einer männlichen (engl. male) Stimme vorgetragen wird, von großer Bedeutung. Obwohl der entstandene Text weiten 1-4 abstrakte Lyrik ist und aus rhythmischen Wortketten mit vielen Assonanzen besteht, gibt es doch so etwas wie Subjekt. Anders als in ihren „mehrstimmigen Gedichten" ist die grafische Gestaltung bei diesem Text nicht auf den ersten Blick als musikalische Struktur zu erkennen. Jedoch sind die Zeilengliederung, die Anzahl der Silben pro Vers sowie die von mir „gehörte" Lesegeschwindigeit der vier Abschnitte Indiz für eine musikalische Textur und zugleich Anregung, dies in die Komposition „einsickern" zu lassen. Die Einbeziehung der Elektronik dient ausschließlich zur Erweiterung der Klangmöglichkeiten der Violine. Mittels Kontaktmikrofon werden perkussive Klopf- und Streichtechniken am Korpus des Instruments verstärkt und mit elektronischen Klangtransformationen versehen. Dadurch werden nicht nur Klänge, die auf den Saiten produziert werden, verfügbar, sondern auch das Instrument selbst wird zum Klingen gebracht. Die Stimme ist von elektronischen Verfremdungen ausgenommen - lediglich in einem Abschnitt dient die Tonhöhenanalyse des Tenors in Echtzeit der Erzeugung von tiefer liegenden Sinusgeneratoren. Der Tenor übernimmt zu seinem Gesangspart auch die Steuerung der Elektronik, die er mittels drahtlosem Gamepad handhabt.

Wolfgang Suppan

InterpretInnen: 

Wolfgang Suppan, Komposition
ensemble Integrales
Henning Kaiser, Tenor
Barbara Lüneburg, Violine
Marko Ciciliani, Sound Design