Le gel, par jeu
Le gel, par jeu für sechs Instrumente (1991)

Da ich auf einen Untertitel verzichtet habe, muss ich diesen "Frost, zum Spiel" erklären. Es handelt sich um einen Totentanz, oder genauer gesagt, um eine Folge von kleinen gespenstischen Tänzen, von schrillen und lichtscheuen Bildern.

Der Totentanz ist das einzige fröhliche musikalische Genre, das auch tief sein kann. Ich habe auf die paar Requisiten, nach denen er verlangt, nicht verzichtet: etwa der Klang der Holzlatten, der der Tradition gemäß Knochengeklapper versinnbildlicht; doch dem etwas kon­ventionellen Xylophon habe ich das geheimnisvollere und gedämpftere Marimbaphon vorgezogen. Das "Diesirae" kommt ebenfalls vor, doch in solch verschlüsselter Form, dass ich selbst bereits die Prozeduren seiner „Auf­pfropfung" vergessen habe. Erkennbar sind hingegen die „Schicksalsschläge" der V. Symphonie, die von der Parade herüberklingen, und die funebren Akkorde des op. 19 von Schönberg. Dies sind weniger Zitate als Klangfar­ben, ruhige Figuren der Eitelkeit inmit­ten des rauschenden Aufruhrs.

Diese Musik ist „spektral" auf ihre eigene Art, da ja Gespenster vorüber­ ziehen. Durchzogen ist sie von Chroma­tismen (das Skelett unserer armen kleinen Tonleitern), überstürzt, voller Luftzüge und Kratzen; Sicilianos, Walzer - und allmählich gefrieren und erstarren die Tänze.

Das Stück ist mein erster Totentanz und auch mein erster Versuch in einem strikt kontinuierlichen Stil, was man einst "stile concitato" nannte.

Der Titel ist die freie Übersetzung (von Guy Jean Forgue) eines Verses von Emily Dickinson, Provinzengel von Massachu­setts, die ihr Leben damit verbrachte, Beerdingungen zu folgen; ein leuchten­des, kaum inkarniertes Genie, das vor einem Jahrhundert die beiden Themen jedes Totentanzes - und auch dieses hier - (Panik und Ironie) transzendiert hat: The frost beheads it at it's play."

Gerard Pesson
Interpret/innen

szene instrumental
Dirigent: Wolfgang Hattinger
Flöte: Arno Steinwidder
Klarinette: Manuela Höfler
Horn: Tim Purcell
Bassmarimba: Ulrike Stadler
Violine: Barbara Peyr

Violoncello: Ruth Straub

Termine
Location
Grazer Congress – Saal Steiermark
Konzert
Österreichische Erstaufführung