ORF musikprotokoll 2018

Programm

The Magma, Videostills

The Magma

22/09 - 07/10/2018
Akademie Graz

Mit Ahmed El Ghazoly aka ZULI

Als Magma wird jene zähflüssige Gesteinsmasse im Erdmantel und der Erdkruste bezeichnet, die letztendlich in der Tiefe verborgen bleibt; die niemals die Oberfläche erreicht. Für Ahmed El Ghazoly aka ZULI ist das Magma ein Sinnbild für die Bewohnerinnen und Bewohner von Kairo, denen „post 2011“ nichts weiter übrig zu bleiben scheint, als sich unablässig über ihre miserablen Lebensumstände zu beschweren. Ihre Klagen hat der Künstler für seine audiovisuelle Installation The Magma eingefangen und in Musik gebettet. Betritt man die 360 Grad umspannende Videoprojektion, fühlt man sich unmittelbar in die ägyptische Megacity gebeamt. Zeit zum Akklimatisieren gibt es nicht, sofort wird man mitgerissen in den Strudel des so übervollen Lebens. Stets auf dem schmalen Grat zwischen Traum und Alptraum nach Balance ringend, folgt man ZULI auf seinem Weg durch die Stadt, – in das Dickicht der lautstark um ihre Existenz kämpfenden Straßenverkäufer; in die Autos der am niemals enden wollenden Verkehrschaos verzweifelnden Taxi-Fahrer, in überfüllte U-Bahn-Waggons und in im Müll versinkende Seitengassen. The Magma ist das Gewinnerprojekt des CTM Radio Lab 2018, das sich unter dem CTM Festivalmotto „Turmoil“ auf die Suche nach dem Sound der inneren und äußeren Krisen begab.

Konzept, Film: ZULI

22/09–07/10 (Di-Fr 10:00-17:00 & Sa,So 12:00-19:00)
  • Akademie Graz
The Magma
Installation
Österr. Erstaufführung
  • Eintritt frei

In Kooperation mit Akademie Graz, Deutschlandfunk Kultur Hörspiel/Klangkunst, ORF Ö1 Kunstradio, ORF musikprotokoll. Unterstützt durch den Medienpartner The Wire und das Goethe-Institut.

konfrontationen 7, HLW Schrödinger

konfrontationen 7

04/10/2018
Helmut List Halle

Mit Schülerinnen und Schülern aus der Steiermark

Kurzfilme, Videos, Zeichen, grafische Partituren, Bilder im Kopf: Klangbilder sind der konzeptionelle Ausgangspunkt für das Projekt konfrontationen 7, das bereits zum dritten Mal beim musikprotokoll gastiert. konfrontationen ist eine generationenübergreifende Kreativplattform, die im Jahr 2010 vom Verein Conto musicale gegründet wurde. Kunstschaffende unterschiedlicher Sparten entwickeln in diesem Rahmen gemeinsam mit Jugendlichen künstlerische Konzepte und präsentieren sie in Form von Live-Performances. 2018 sind es Mitglieder der Grazer Ensembles Schallfeld und zeitfluss, die mit Schüler/innen aus der Steiermark neue Klangkunstwerke entwickelt haben. Spannend und konfrontativ wird es, wenn die Klang- und Bildwelten verschiedener Generationen aufeinandertreffen.

Eine Koproduktion von Conto musicale, Landesschulrat für Steiermark und ORF musikprotokoll.

Palimpsest

Palimpsest

04/10 & 06/10/2018
esc medien kunst labor

Kathy Hinde & Daniel Skoglund

Palimpsest von Kathy Hinde & Daniel Skoglund

Bei diesem Projekt handelt es sich um eine Zusammenarbeit zwischen dem schwedischen Klangkünstler Daniel Skoglund und der britischen audiovisuellen Künstlerin Kathy Hinde. Skoglund entwickelt Systeme und Geräte, mit denen er seine Alltagsbeobachtungen auf eine abstrakte Ebene übertragen und erforschen kann. Hinde lässt sich von Verhaltensweisen und Phänomenen aus der Natur inspirieren, um generative Werke zu erschaffen, die künstliche Intelligenz mit menschlicher/tierischer Intuition kombinieren. In diesem Projekt verbinden die beiden nunmehr ihre gemeinsamen Interessen sowie ihre Begeisterung für Zufallsverfahren und Prozesse mit offenem Ausgang. So wie sich Lebewesen allmählich ihrer Umwelt anpassen können, formen, beeinflussen und verändern auch die „offenen Partituren“ von Hinde und Skoglund deren Musik und Kunst. In Palimpsest zeichnen sie live auf einer auf dem Boden liegenden Leinwand. Indem mechanische Graphit-Sequenzer die Bleistiftstriche abtasten und Feedback-Loops erzeugen, werden diese Zeichnungen in Klänge umgewandelt. Die entstehenden Klangimpulse wiederum beeinflussen und steuern die Parameter der Videoprojektionen. Zeichnungen, Klänge und Projektionen überlagern sich Schicht um Schicht wie bei einem Palimpsest, womit ein Schriftstück bezeichnet wird, von dem der ursprüngliche Text abgeschabt und das danach neu beschriftet wurde, aber noch immer Spuren des alten Textes enthält. Da das audiovisuelle Geschehen und der Akt des Zeichnens sich gegenseitig beeinflussen und eine Feedbackschleife entsteht, erlebt das Publikum eine Performance, in der die Grenzen zwischen realer Zeichnung, Videoprojektion und Musik allmählich verschwinden. Das esc medien kunst labor bietet zudem einen Workshop an und zeigt vom 23.9. bis 16.11. Installationsarbeiten von Kathy Hinde.

22/09/2018-16/11/2018
  • esc medien kunst labor
Distant Skies: Pressure Waves
Installation
Österr. Erstaufführung
  • Eintritt frei

Um an dem Workshop Turn Drawings into Sound teilzunehmen bitten wir um eine Anmeldung: https://musikprotokoll.orf.at/turn-drawings-into-sound

Eine Produktion von esc medien kunst labor und musikprotokoll. Palimpsest ist eine Auftragsarbeit von WELD und EMS, Stockholm 2010. In Kooperation mit SHAPE – Sound, Heterogeneous Art and Performance in Europe. Gefördert durch das Programm „Creative Europe" der Europäischen Union. Kathy Hinde ist SHAPE Artist 2018.

 

SOL, Kurt Hentschläger

SOL

04/10 - 07/10/2018
Dom im Berg

Kurt Hentschläger

Kurt Hentschläger wurde 1991 mit dem gemeinsam mit Ulf Langheinrich gegründeten Duo Granular-Synthesis bekannt. Der in Linz geborene und nun in New York lebende Künstler ist ehemaliger Student Peter Weibels und beschäftigte sich in den letzten 30 Jahren mit immersiven audio-visuellen Environments und Performances. Seine Arbeiten verbindet ein Fokus auf den menschlichen Körper und die Wahrnehmung. Was kann noch wahrgenommen werden und wie können Grenzbereiche unserer Wahrnehmung mit künstlerischen Mitteln ausgelotet werden? SOL ist eine immersive Installationsarbeit und eine unmittelbare Selbstbeobachtung der eigenen Wahrnehmung. Ein Hörfeld aus prozessierten Field Recordings, Elektronik und Infra-Bass-Mustern wird mittels Mehrkanalsystem im Grazer Dom im Berg aufgespannt. In völliger Dunkelheit erscheinen für Sekundenbruchteile Lichtmuster und lassen beim Publikum Nachbilder entstehen, die von der nächsten Lichteruption überlagert werden. Am Donnerstag, dem 4. Oktober, eröffnet Hentschläger SOL mit einer exklusiven Live-Performance, an den Folgetagen läuft SOL im Installationsmodus.

04/10/2018 - 19:30
  • Dom im Berg
SOL / Konzert
Konzert
  • Tagespass 4.10.2018

05/10/2018 - 13:00
  • FH Joanneum, Institut für Design und Kommunikation, Raum 401
Splendid Voids
Diskussion
  • Eintritt frei

05/10–07/10/2018 - 10:00–19:00
  • Dom im Berg
SOL / Installation
Installation
  • Eintritt frei

SOL ist eine Auftragsarbeit unserer Partner OK Offenes Kulturhaus, Linz und CTM Festival Berlin. Realisiert in Graz durch das ORF musikprotokoll.

Fred Frith & Bérangère Maximin

Fred Frith & Bérangère Maximin

04/10/2018
Dom im Berg

Fred Frith & Bérangère Maximin

„Ich bin Songwriter, Komponist, Multi-Instrumentalist (Bass, Keyboards, Violine) und Improvisator, der hauptsächlich mit verschiedenen Permutationen der elektrischen und akustischen Gitarre spielt.“ Gewiss ist die kurze Selbstbeschreibung Fred Friths zutreffend, und doch scheint sie eine Art noble Untertreibung. 1968 startete Frith seine Karriere als Mitbegründer des ikonischen Rockkollektivs Henry Cow. Seither haben ihn die unendlichen Spielmöglichkeiten seines Hauptinstruments Gitarre nie wieder losgelassen. Er experimentierte, improvisierte und komponierte in allen nur denkbaren Avantgarde-Konstellationen mit Brian Eno und Peter Brötzmann, Aki Takase und Richard Thompson, John Zorn und Robert Wyatt, dem Ensemble Modern und Yo-Yo Ma. Im Jahr 1995 war Frith zum ersten und bisher letzten Mal beim musikprotokoll zu Gast, damals mit einer solistischen Uraufführung. 2018 kehrt er zurück und überrascht in neuer Konstellation: Die 1976 in La Réunion geborene Komponistin und Elektronikmusikerin Bérangère Maximin, die unter anderem bereits bei John Zorns Label Tzadik veröffentlicht hat, ist seine herausfordernde Duopartnerin.

04/10/2018 - 21:00
  • Dom im Berg
Fred Frith & Bérangère Maximin
Konzert
Österr. Erstaufführung
  • Tagespass 4.10.2018

  • festival pass

In Kooperation mit SHAPE – Sound, Heterogeneous Art and Performance in Europe. Gefördert durch das Programm „Creative Europe“ der Europäischen Union. Bérangère Maximin ist SHAPE Artist 2018. Der Artist Talk/Round Table on experimenting findet in Kooperation mit dem Festival für künstlerische Forschung ARTikulationen (4.10.–6.10.18) der KWDS/Kunstuniversität statt.

Gosheven

Gosheven

04/10/2018
Dom im Berg

Gosheven

In den vergangenen Jahren hat sich Bálint Szabó intensiv mit unterschiedlichen Stimmungssystemen beschäftigt, von der pythagoreischen Stimmung bis hin zu La Monte Youngs The Well-Tuned Piano, von in der traditionellen japanischen Musik gebräuchlichen Tonleitern bis hin zu Wendy Carlos’ „Super Just Intonation“. Die Initialzündung für sein Solo-Projekt Gosheven bildete die Entdeckung eines hexaphonischen Pickups während eines Aufenthaltes in New York, mit dem der Musiker von nun an den Klang jeder Gitarrensaite einzeln verstärken und verarbeiten konnte, auf einfache Art und Weise. Szabó baute daraufhin eine E-Gitarre, die ihm weiters eine individuelle Spatialisierung der einzelnen Gitarrenklänge ermöglichte. Seine so fragile und feinsinnige Musik erhält dadurch einen noch eigenwilligeren Charakter. Sie erzählt von dem innigen Wunsch, die gesellschaftlich dominanten Leitbilder des Maskulinismus hinter sich zu lassen, von dem Streben nach Wahrhaftigkeit und einer Existenzform, in der schwach sein zu können als Stärke angesehen wird. „Mit meinem aktuellen Album Bivaq wollte ich einen virtuellen Rückzugsort schaffen, von dem aus wir auf die Erde herunterblicken und darüber nachdenken können, was wir getan haben“, so Gosheven im Interview für die SHAPE Website, „von dem aus wir zurück und nach vorne blicken können.“

04/10/2018 - 22:00
  • Dom im Berg
Gosheven
Konzert
  • Tagespass 4.10.2018

In Kooperation mit SHAPE – Sound, Heterogeneous Art and Performance in Europe. Gefördert durch das Programm „Creative Europe“ der Europäischen Union. Gosheven ist SHAPE Artist 2018.

Mixer bei Ö1 Sendung

Talk/Radio/Workshop

05/10-07/10/2018
MUMUTH, Palais Meran, Akademie Graz, FH Joanneum, Helmut List Halle, esc medien kunst labor

Chaya Czernowin, Fred Frith, Kurt Hentschläger, Kathy Hinde u.a.

Mit Künstler/innen ins Gespräch kommen: Das musikprotokoll 2018 bietet in Kooperationen mit Grazer Kunstinstitutionen mehrere Workshops und Talks an. Mit Chaya Czernowin, Fred Frith, Kurt Hentschläger, Kathy Hinde und anderen. Der Ö1 Radioschwerpunkt „Nebenan – Erkundungen in Europas Nachbarschaft“, in dessen Rahmen in den vergangenen Jahren mehrere Länder ausführlich portraitiert wurden, findet seinen Niederschlag auch im ORF musikprotokoll: Susanna Niedermayr und Rainer Elstner – Redakteure der Ö1-Sendereihe Zeit Ton – präsentieren in Künstlergesprächen neue Musik aus Ägypten. Die Live-Radiosendung Ö1 Klassiktreffpunkt ist ebenfalls wieder in Graz zu Gast, Moderatorin Renate Burtscher wird mit dem Komponisten Georg Friedrich Haas sprechen.
05/10/2018 - 13:00
  • Palais Meran, Florentinersaal
Artist Talk/Keynote: Chaya Czernowin
Diskussion
  • Eintritt frei

05/10/2018 - 13:00
  • FH Joanneum, Institut für Design und Kommunikation, Raum 401
Splendid Voids
Diskussion
  • Eintritt frei

06/10/2018 - 10:00
  • esc medien kunst labor
Ö1 Klassiktreffpunkt mit Georg Friedrich Haas
Ö1 mit Publikum
  • Eintritt frei

07/10/2018 - 21:00
  • Helmut List Halle
Christian von Borries im Gespräch mit Andreas Dzialocha
Diskussion
  • Einzelkarte: Land der Musik, ein Neujahrskonzert

Tomoko Sauvage

Tomoko Sauvage

05/10/2018
Helmut List Halle

Tomoko Sauvage

Seit mehr als zehn Jahren bereits erforscht Tomoko Sauvage die klanglichen Qualitäten von Wasser in seinen unterschiedlichen Aggregatzuständen. Sauvage wurde in Yokohama geboren und zog 2003, nachdem sie in New York Jazz Piano studiert hatte, nach Paris. Von Alice Coltrane und Terry Riley inspiriert, begann sie sich mit indischer Musik zu beschäftigen. Ein Schlüsselerlebnis war der Besuch eines Konzertes von Aanayampatti Ganesan, einem Meister des Jaltarang, eines indischen Musikinstruments, das aus einer Reihe mit Wasser gefüllten Porzellanschalen besteht, die mit dünnen Holzstöckchen angeschlagen werden. Unter der weiteren Hinzunahme diverser elektronischer Geräte und einiger Hydrophone entwickelte sie daraufhin ihr eigenes elektro-aquatisches Instrument. Als einen „natürlichen Synthesizer“ bezeichnet sie es auch. Mitunter produzieren die in Schwingung versetzten Wellen, Tropfen und im Wasser tänzelnden Luftblasen subaquatische Feedbacks, die die Künstlerin mit viel Fingerspitzengefühl moduliert. Bei einem Konzertaufenthalt in Japan sei sie dann darauf hingewiesen worden, so Tomoko Sauvage, dass ihre so feinsinnige und kontemplative Musik wie ein Suikinkutsu klingen würde: „Es ist ein bisschen so, als wäre ich einmal um die Welt gereist, um schließlich zurück zu meinen Wurzeln zu finden.“

05/10/2018 - 18:30
  • Helmut List Halle
Tomoko Sauvage
Konzert
  • Tagespass 5.10.2018

In Kooperation mit SHAPE – Sound, Heterogeneous Art and Performance in Europe. Gefördert durch das Programm „Creative Europe“ der Europäischen Union. Tomoko Sauvage ist SHAPE Artist 2018.

RSO Wien & Klangforum Wien

RSO Wien & Klangforum Wien

05/10/2018
Helmut List Halle

Mit Musik von Bernd Richard Deutsch und Unsuk Chin

concert grandiose

Es ist und war von Anfang an ein sowohl künstlerisches als auch kulturpolitisches Statement: Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien musiziert gemeinsam mit dem Klangforum Wien wie erstmals beim musikprotokoll 2014. Die Vorlage lieferte Georg Friedrich Haas, der ein concerto grosso für Kammerensemble und Orchester konzipierte. Die Idee: Ein Werk kombiniert großorchestralen Klangsinn mit den Feinheiten eines ensemblehaften Solistenkollektivs als ein quasi neues zeitgenössisches und luxuriöses Genre von Musik. Das Orchester als essenzieller Klangkörper der vergangenen 250 Jahre europäischer Musik war in all diesen Jahren im Genre Konzert immer wieder künstlerischer Partner von Instrumentalsolisten – sozusagen von Vivaldi bis Rihm. Das Ensemble als Träger zeitgemäßer Musik hingegen entstand in der uns heute geläufigen Form als Solist/innenkollektiv erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nun spielen das Klangforum Wien und das ORF Radio-Symphonieorchester Wien gemeinsam – auf zu neuen Klangufern! Nach Aufführungen von Stücken von Georg Friedrich Haas, Zeynep Gedizlioğlu und Vito Žuraj folgt 2018 eine weitere Uraufführung, ein Kompositionsauftrag des musikprotokoll: eine Komposition für Orchester und Ensemble von Bernd Richard Deutsch.

  • Helmut List Halle
Konzert
Österr. Erstaufführung
  • Tagespass 5.10.2018

Der Kompositionsauftrag von Bernd Richard Deutsch wurde von der Ernst von Siemens Musikstiftung finanziert.
-> Das Werk von Marko Nikodjevic kann leider nicht aufgeführt werden, ein Ersatzprogramm wird in Kürze bekannt gegeben.

 

Klangforum Wien

Klangforum Wien

05/10/2018
Helmut List Halle

Mit Musik von Jeff Weston, Fred Frith, Chaya Czernowin & Friedrich Cerha

Das Klangforum Wien lädt mit Houses, einer Uraufführung des jungen amerikanischen Komponisten Jeff Weston, zu einer musikalischen Reise ein. Weston schrieb kürzlich als Stipendiat der Ernst Krenek Stiftung eine Komposition, in der sich seine Kindheitserinnerung an die Kornfelder in Iowa mit den neuen Eindrücken der Kremser Weinberge ebenso vermengt wie die Donau kurzfristig zum Mississippi umgedeutet werden kann. Die doppelte Stückkonstellation in der Mitte des Konzertes hat etwas von einem Vexierbild. Das daran anschließende Stück für E-Gitarre und Akkordeon stammt von der Komponistin Chaya Czernowin, die ihr erstes reguläres Auftragswerk nach ihren Kompositionsstudien bereits 1996 für das musikprotokoll schrieb. Darauf folgt ein Solostück für Bratsche, eine Komposition von Fred Frith, die vom Klangforum-Bratschisten Dimitrios Polisoidis zur österreichischen Erstaufführung gebracht wird. Friedrich Cerha, der sich als Komponist und Dirigent bereits an den ersten musikprotokoll-Ausgaben vor mehr als fünfzig Jahren beteiligte, ist in der 51. Ausgabe des Festivals wieder vertreten: Das Klangforum Wien bringt seine neue Arbeit Kurzzeit auf die Bühne. So kurz ist die Komposition jedoch gar nicht; sie beschließt mit einer knappen Viertelstunde dieses Set äußerst unterschiedlicher neuer Musik.

05/10/2018 - 13:00
  • Palais Meran, Florentinersaal
Artist Talk/Keynote: Chaya Czernowin
Diskussion
  • Eintritt frei

Jeff Westons Komposition ist ein Auftrag des Ernst Krenek Instituts in Kooperation mit impuls. Internationale Ensemble- und Komponistenakademie und dem Klangforum Wien. Der Artist Talk/Keynote mit Chaya Czernowin findet in Kooperation mit dem Festival für künstlerische Forschung ARTikulationen (4.–6.10.18) der KWDS/Kunstuniversität statt.

Konus Quartet

Konus Quartett & Martin Brandlmayr

05/10/2018
Helmut List Halle

Mit Musik von Chiyoko Szlavnics & Martin Brandlmayr.

Das Saxophonquartett wird vor allem als klassische Jazzbesetzung rezipiert, aber auch als Klangkörper für Arrangements barocker und klassischer Stücke. Einen weiteren besonders interessanten Weg praktiziert das junge Schweizer Konus Quartett, das sich einer radikal zeitgenössischen Version des Spielens mit vier Saxophonen verschrieben hat. Bei seinem musikprotokoll-Debüt bringt das Ensemble gemeinsam mit dem Komponisten und Schlagzeuger Martin Brandlmayr ein neues Stück zur österreichischen Erstaufführung. Brandlmayr erschließt verwirrend irrlichternde Klangquellen, setzt die live gespielten Instrumente in den Kontext mäandernder Samples, vermisst räumliche, zeitliche und emotionale Entfernungsgrade im Klang und lässt das Saxophonquartett gespenstische „musikalische Nachtbilder“ entwerfen. In seinem Stück Haunted House öffnen sich Fenster geheimnisvoll zu überraschenden Klangräumen, um sich abrupt wieder zu schließen. Die kanadische, in Berlin lebende Komponistin und Künstlerin Chiyoko Szlavnics hat ebenfalls ein spezielles Werk für die vier Experimental-Saxophonisten entworfen: sie stellt dem Quartett einen virtuellen fünften Spieler zur Seite, dessen Sinustöne mit den Multiphonics der Saxophone zu statischen und gleichzeitig enorm bewegten Klanglandschaften werden.

ensemble zeitfluss

ensemble zeitfluss

06/10/2018
Helmut List Halle

Mit Musik von Joanna Wozny, Klaus Lang und Christoph Renhart.

Beim musikprotokoll beschäftigt sich das ensemble zeitfluss mit drei zeitgenössischen Positionen, die jüngste – weil im Sommer 2018 komponiert – ist eine Uraufführung des Grazers Christoph Renhart. Joanna Woznys Komposition beschäftigt sich mit den Wechselspielen von Sprache und Geräusch. Schon seit Jahren gewinnt sie diesem Grenzbereich in ihren meist luziden, gewissermaßen sparsamen, aber zugleich effektvollen Kompositionen immer neue Aspekte ab. Der Grazer Komponist Klaus Lang schließlich ist in diesem Konzert mit einem circa 20-minütigen Stück vertreten, das ganz wunderbar in die Reihe seiner Werke mit wirklich wunderlichen Titeln passt. Beim heurigen musikprotokoll kommt ein verkapptes Beziehungsdrama zur Aufführung: die heilige Clara und der schwarze Fisch. Es gibt sogar eine Drehbucherläuterung des Komponisten selbst: „Langsam und tief in Gedanken geht die heilige Clara mit ihren Holzschuhen durch die langen, stillen Gänge ihres Klosters. Eine lockere Steinfliese im Fußboden lässt sie leicht stolpern und verursacht ein schnelles, lautes Auftreten mit ihrem Holzschuh: ‚Gis!’ entfährt es ihr unwillkürlich. Draußen im Fischteich schwimmt der schwarze Fisch unbekümmert seine Runden.“ Nur gut, dass nicht auch noch der Fisch „Gis!“ zischen kann.

In Kooperation mit dem Verein die andere saite und der ÖGZM - österreichische Gesellschaft für zeitgenössische Musik.

Talea Ensemble

Talea Ensemble

06/10/2018
Helmut List Halle

Mit Musik von William Dougherty, Georg Friedrich Haas, Zosha Di Castri.

Zum ersten Mal zu Gast beim musikprotokoll ist das New Yorker Talea Ensemble, das sich in den vergangenen Jahren einen internationalen Ruf erspielt hat. Eine intensive Beziehung pflegt das Ensemble mit dem in New York an der Columbia University lehrenden österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas. Eine Uraufführung von Georg Friedrich Haas mit dem Titel Monolog für Graz wird in diesem Konzert flankiert von zwei Werken jüngerer Komponist/innen aus dem Umfeld der Columbia University, Zosha Di Castri und William Dougherty.

06/10/2018 - 19:30
  • Helmut List Halle
spreading, like something spilled, like a stain
Konzert
Uraufführung
  • Tagespass 6.10.2018

Die Komposition von William Dougherty ist der Emil-Breisach-Kompositionsauftrag vom ORF musikprotokoll. Mit freundlicher Unterstützung der AVL Cultural Foundation.

IKO & guts’n’faders

IKO & guts’n’faders

06/10/2018
Helmut List Halle

Mit Musik von Orestis Toufektsis, Stepha Schweiger, Reinhold Schinwald, Lorenzo Troiani,

Holz trifft Metall, Klang trifft Raum, Mensch trifft Lautsprecher: Das Grazer Duo guts’n’faders, das seit Jahren kreativ mit elektronisch-akustischen Klangraumverbindungen experimentiert, lässt sich im Projekt Stellations auf eine neue Herausforderung ein. Der „Ikosaeder“, kurz IKO, ein im Institut für Elektronik und Akustik der Kunstuniversität Graz entwickelter, experimenteller 3D-Raumklanglautsprecher, der in der akustischen Forschung längst Kultstatus hat, wird zum un-/sichtbaren Dritten und erweitert das Musikerduo zum Trio. Gemeinsam mit mehreren jungen Komponierenden erforschen guts’n’faders die performativen und räumlich-klanglichen Möglichkeiten des IKO und stellen dabei verschiedenste Spielarten zeitgenössischer Musik wortwörtlich „in den Raum“, von algorithmischen Strukturen (Orestis Toufektsis) bis zur  Sprachkomposition (Reinhold Schinwald), von archaischem Raunen (Lorenzo Troiani) bis hin zum unbekümmerten Stilmix zwischen Rockmusik und Avantgarde (Stepha Schweiger).

Nach dem Konzert steht ein SHUTTLE-Bus vor der List Halle, der zu den Folgekonzerten im Dom im Berg fährt.

Eine Koproduktion von IEM - Institut fürElektronische Musik und Akustik der Kunstuniversität Graz und dem ORF musikprotokoll.

The Dwarfs of East Agouza

The Dwarfs of East Agouza & ZULI

06/10/2018
Dom im Berg

Maurice Louca, Sam Shalabi, Alan Bishop & ZULI

One night in Cairo I & II

In dem Trio The Dwarfs of East Agouza treffen drei versierte Improvisatoren und musikalische Seelenverwandte aufeinander –  Maurice Louca (u. a. Alif, Lekhfa, Karkhana), Alan Bishop (u. a. Sun City Girls, The Invisible Hands) und Sam Shalabi (u. a. Shalabi Effect, Land of Kush, Karkhana). Getroffen haben sich die Musiker 2012, nachdem Bishop und Shalabi nach Kairo gezogen waren. Alle drei wohnten im selben Mietshaus, im Kairoer Stadtteil Agouza. Sie freundeten sich an und trafen sich oft zu gemeinsamen Jam Sessions. Sie stellten fest, dass sie ganz hervorragend miteinander harmonierten, während aber gleichzeitig jeder seine ausgeprägte persönliche Musiksprache beibehalten konnte. Was die Musiker miteinander verbindet, ist neben handwerklicher Meisterschaft ein Hang zum Surrealen und eine gute Portion Humor. „Es ist aufregend“, so Sam Shalabi, „weil wir alle drei etwas Neues schaffen möchten, ohne bereits eine bestimmte Richtung im Kopf zu haben, in die die Musik gelenkt werden soll.“ Dabei bringt jeder seine spezifischen musikalischen Interessen ein. Und so treffen bei The Dwarfs of East Agouza Free Jazz und Krautrock auf südostasiatische und arabische Einflüsse und ägyptische Shaabi Musik. Im Anschluss bietet ZULI, einer der derzeit spannendsten Vertreter der experimentellen elektronischen Club Musik Szene Kairos, eine Vorschau auf sein erstes, demnächst erscheinendes Album. ZULI ist beim heurigen musikprotokoll auch mit seiner audiovisuellen Installation The Magma vertreten.

06/10/2018 - 22:00
  • Dom im Berg
The Dwarfs of East Agouza
Konzert
  • Tagespass 6.10.2018

  • Einzelkarte: one night in Kairo I & II

06/10/2018 - 23:00
  • Dom im Berg
ZULI
Konzert
  • Tagespass 6.10.2018

  • Einzelkarte: one night in Kairo I & II

airborne extended

airborne extended

07/10/2018
Hotel Wiesler, Frühling

Mit Musik von Soyeon Park, Martin Ritter, Alyssa Aksa, Milica Vujadinović, Jinwook Jung, Juan Pablo Trad Hasbun

concert d'après-midi

Airborne bedeutet so viel wie „in der Luft befindlich“. Ein kleines, luftiges Ensemble mit kräftiger Ausrüstung: vier Querflöten und zehn Blockflöten – von Sopranino bis Kontrabassblockflöte – stehen zur Verfügung, dazu Cembalo, weitere Tasteninstrumente sowie eine Harfe. Diese äußerst ungewöhnliche Besetzung bietet den Musikerinnen eine enorme Bandbreite an Möglichkeiten, was Tonumfänge, Klangfarbenpotenzial und Lautstärkenspektrum anbelangt, worauf das Wort „extended“ im Ensemblenamen verweist. Spannend ist das sich langsam vergrößernde Repertoire dieses seit 2013 bestehenden Quartetts: Aufgrund der erwähnten raren Instrumentenkombination sind es vorwiegend Auftragswerke und Uraufführungen, die die Konzerte des Ensembles airborne extended ausmachen. Im Rahmen eines entspannten Nachmittagskonzerts präsentieren die Musikerinnen beim musikprotokoll gleich sechs Uraufführungen, allesamt Kompositionen der „next generation“ – Stücke von jungen Komponierenden, die sie im Kontext ihres Studiums an der Kunstuniversität Graz mit dem Ensemble erarbeitet haben.

Eine Produktion des Institut 1: Komposition, Musiktheorie, Musikgeschichte und Dirigieren der Kunstuniversität Graz. In Kooperation mit dem ORF musikprotokoll. Mit freundlicher Unterstützung der IGNM – Internationale Gesellschaft für Neue Musik.

Abbildung: Partitur Lied der Österreischischen Wiederstandskämpfer, Quelle unbekannt

„Land der Musik“ – ein Neujahrskonzert

07/10/2018
Helmut List Halle

recreation - Großes Orchester Graz, Christian von Borries

Österreich sei das „Land der Musik“, sagt man. Angesichts der gegenwärtigen politischen Lage gewinnt ein solch einzigartiges Selbstverständnis an zusätzlicher und beängstigender Aktualität und liefert den Ausgangspunkt für die Auftragsarbeit The Land of Music, eine Orchestersuite des Komponisten, Filmemachers, Künstlers und Copyleft-Aktivisten Christian von Borries. Im Zeitalter von Big Data werden populäre und weniger populäre Musikstücke, die für die Konstruktion der nationalen Identität Österreichs von entscheidender Bedeutung waren, umgestaltet. Aus algorithmischem Sampling und Neuarrangement mittels MIDI (Musical Instrumental Digital Interface) entsteht eine Collage des „Neujahrskonzerts“, von Ludwig van Beethoven über Gustav Mahler bis hin zu Johann Strauss. Doch auch Erwin Schulhoff kommt vor, ein kommunistischer Komponist, der während des Ersten Weltkriegs in der österreichischen Armee diente. Die Walzer von Strauss – von denen bei Abflug und Landung eines jeden Austrian Airline Fluges einer eingespielt wird – und die Symphonien von Österreichs Adoptivsohn Beethoven liefern Datensätze, die ein Programm Künstlicher Intelligenz trainieren, charakteristische Merkmale herauszufiltern und zu analysieren, um anschließend eigene Melodien zu komponieren. Die daraus resultierende Musik – von einem Orchester live vorgetragen – wird visuell von KI-generierten Bildern begleitet, die den Gebrauch von Musik und Bildern als Phrasen zeigen, die für Standortvermarktung und nationales Branding benutzt werden. Vertraute Musik macht sich bemerkbar, als kehrte man von einer langen Reise heim; vieles ist nicht mehr intakt, fragmentiert wie eine verblasste Erinnerung, de- und rekonstruiert in einer Epoche digitalisierter nationaler Identität, der man ein neues Image verpasst hat.

07/10/2018 - 19:30
  • Helmut List Halle
„Land der Musik“ – ein Neujahrskonzert
Konzert
Uraufführung
  • Einzelkarte: Land der Musik, ein Neujahrskonzert

07/10/2018 - 21:00
  • Helmut List Halle
Christian von Borries im Gespräch mit Andreas Dzialocha
Diskussion
  • Einzelkarte: Land der Musik, ein Neujahrskonzert

Beauftragt von steirischer herbst. Produziert von steirischer herbst in Kooperation mit musikprotokoll.

Jacqueline George

Jacqueline George

07/10/2018
Helmut List Halle

Jacqueline George

Ö1 RadiokunstKunstradio

Zum Abschluss unseres diesjährigen Festivals zeichnet Jacqueline George in „Ö1 Radiokunst Kunstradio“ ein Portrait ihrer Heimatstadt Kairo. „Kairo ist voller Sounds“, schildert die Klangkünstlerin, „einen Moment der Stille findet man hier nicht.“ Wenn sie durch die Straßen geht, dann würde sie sich wie in einem großen Orchesterkonzert fühlen, in dem ganz viele musikalische Stimmen gleichzeitig zu hören sind. Manche tauchen abrupt auf, andere faden langsam ein und wieder aus. Manche sind ganz nahe, andere fern. Kairo sei laut, so George weiter, aber in dem unaufhörlichen Lärm würde auch eine Fülle stecken. Seit vielen Jahren schon sammelt sie die so vielgestaltigen Klänge, um sie zu ganz persönlichen Geschichten zu verweben. „Wenn jeder Klang eine Idee transportiert, dann sind wir reich an Ideen“, schildert die Künstlerin. „Wenn ich komponiere, dann tauche ich in dieses Meer der Ideen ein, suche nach meinem eigenen Weg. Manchmal wird es in meinen Stücken sehr dicht, lasse ich mich von dem Lärm auf Kairos Straßen inspirieren, ohne jedoch Verkehrsgeräusche zu verwenden. Manchmal verweile ich eine Zeit lang bei einem bestimmten Sound, wiederhole ihn immer und immer wieder; lasse mich von ihm in eine Art meditativen Zustand führen.“

07/10/2018 - 23:00
  • Helmut List Halle
Konzert
Uraufführung
  • Eintritt frei

Eine Kooperation von Ö1 Kunstradio - Radiokunst und ORF musikprotokoll.