Francisco López

Der aus Madrid stammende Musiker und Biologie-Professor Francisco López betreibt seit Anfang der ’80er Jahre Soundstudien, die sich mit Klang in seiner reinsten Form beschäftigen: Wegen seiner unorthodoxen Herangehensweise gilt er als einer der Protagonisten aktueller avancierter elektronischer Musik. Dabei blendet er sämtliche Erwartungen aus, diese visuell zu verarbeiten. López’ Werkskatalog verzeichnet mehr als 160 Aufnahmen namens „Untitled“, die meisten CDs haben keine Track-Indices und egal ob Club oder Konzertsaal, er spielt im möglichst abgedunkelten Raum. So kommt etwa die 2005 erschienene CD „Live in San Francisco“ (23five) konsequenterweise im schwarzen Cover daher, es sind nur die Namen der beiden Clubs verzeichnet und im Inneren der CD findet sich eine schwarze Augenbinde. „Ich verteidige nicht akustische Fragestellungen (‘sonic matter’) als ästhetische oder konzeptuelle Kategorien“, legt López 2004 in seinem Essay „Against the stage“ dar, „sondern als eine Basis für neue Chancen des Eindrucks, der Erfahrung und der Herstellung. Sound ist ein dezidiert mächtiges Medium“. Ähnlich wie der österreichische Musiker Franz Pomassl verhängt López ein Bilderverbot über seine Musik, um damit zu einem veritablen Bildstürmer zu werden. Oft werden sogar die Instrumente verhüllt. Das ist indes keine Schikane, sondern der bewusste Versuch, die Aufführungspraxis elektronischer Musik (wieder) in Richtung Sound-Art und Musique Concrète zu verorten und die visuelle Interpretation des Gehörten dem Zuhörer selbst zu überlassen. Denn für López fällt die frontale Bühnenpräsenz in die als totalitär empfundene Guckkasten-Situation zurück, wie man sie aus dem Opern- und Rock’n’Roll-Kontext kennt.

27/01/2012 - 17:09