Banner musikprotokoll 2011
Konzert
Performance
Uraufführung

Termine: 

09/10/2011 - 12:00

Orte: 

Sonifications

Sonifications - Publikum (c) ORF musikprotokoll
Sonifications - Jogi Hofmüller (mp3, 4.05mb) © ORF musikprotokoll
Sonifications - Norbert Math (mp3, 4.21mb) © ORF musikprotokoll
Sonifications - Reni Hofmüller (mp3, 3.97mb) © ORF musikprotokoll
Sonifications - Peter Venus, Marian Weger (mp3, 3.97mb) © ORF musikprotokoll
Sonifications

Sonifikation ist die Übersetzung und Darstellung von Information in Klang. Die im musikprotokoll 2011 gezeigten Werke basieren auf Echtzeitinterpretationen von Datensätzen, die auf der Basis von Wind (Windzeit) und Satellitenpositionen erzeugt werden. In beiden Fällen gilt, dass nur bei deren jeweiliger Anwesenheit auch etwas zu hören ist. Diese aus den Sonifikationen resultierenden Klangereignisse können eine Schnittstelle zum Verständnis sein.

„Traditionelle Kategorien des musikalischen Zusammenhangs, wie melodische oder harmonische Fortschreitung, rhythmische oder metrische Periodizität, Wiederholung, Fortspinnung, oder Kontrast, haben an Bedeutung verloren, wurden ausgeklammert. Sodann liegt im Begriff Klangereignis – als positives Gegenstück seiner weitgehenden Neutralität – doch ein letztes Wissen, nach welchen Kriterien unterschieden wird; er legt nahe, daß es neben dem Ereignis auch das Nicht-Ereignis geben muss, eine Zeitspanne zwischen zwei Ereignissen, die ohne irgendwelche klangliche Artikulation verläuft. Gleichwohl bleibt sie nicht einfach leer, sondern wird durch die beiden klanglichen Phänomene, die sie begrenzen, selbst zu einem musikalischen Element.“ (Ulrich Dibelius, Moderne Musik nach 1945, S. 356)

Windzeit
Im Time Inventors’ Kabinet (TIK) geht es um Zeit, Zeitwahrnehmung und Zeitmessung. Time Inventors’ Kabinet ist ein Projekt, die Auseinandersetzung mit und das Interesse an Ökologie und Medienkunst, ein kollaboratives Experiment über Zeit; einen ökologischen Ansatz wählend in der Beobachtung von Zeitmustern und Zeitkontrollsystemen; die Werkzeuge, die wir entwickeln und bauen, um neue audiovisuelle Kunst zu schaffen und einen lebendigen Austausch über ökologische Zeit zu ermöglichen; eine Winduhr, eine imaginative Zeitschaltuhr, gesteuert durch die unregelmäßige Bewegung des Windes ... . Seit 2009 entwickeln KünstlerInnen in Workshops, Performances, Ausstellungen und Radiokunstsendungen neue Stücke und Ansätze, z. B. Winduhren – Zeit vergeht nur, wenn Wind weht. Folglich hat auch jeder Ort seine eigene Zeit. Ein gleichermaßen poetisches wie subversives Vorgehen. Die Prototypen der Windzeitmessung sind unterschiedlich, die verwendete Information aus den TIK-Uhren ist von Ort zu Ort verschieden.
 
Satellitenpositionen
Seit 2009 baut ein Team von KünstlerInnen und TechnikerInnen einen Nanosatelliten, mursat11, der voraussichtlich im März 2012 in einem erdnahen Orbit fliegen wird. Neben den aktiv vom Satelliten ausgesendeten Daten, wie sein Rufzeichen (OE6MURSAT), das Zählen seiner Schritte (GX Jupitter-Larsen, Orbit About The Polywave) oder der Energiestatus seiner Solarzellen sind auch die Positionsdaten (Höhe, Geschwindigkeit, Überflugswinkel etc.) verfügbar. Diese Daten sind über die Datenbank von NORAD2 öffentlich zugänglich und werden üblicherweise zur Vorhersage eingesetzt, Softwarebeispiele: gpredict, oder online: http://heavens-above.com. Sie können auch als Sonifikationsdaten eingesetzt werden. Derzeit arbeiten Satelliten als Einzelstücke, d. h. sie erfüllen ihre Funktion ohne Vernetzung mit anderen Satelliten; die Idee der Swarm Intelligence (SI)3 ist hier noch nicht in Verwendung. Die einzigen Schwärme sind derzeit Trümmerfelder (z. B. die unbeabsichtigte Kollision von Iridium und Cosmos; oder der chinesische Satellit FENGYUN C1, der von der chinesischen Regierung 2007 selbst abgeschossen wurde und dessen durch Trümmerkaskaden stetig steigende Zahl von Fragmenten Bahnen um die Erde ziehen...). Ideen zur Cubesat-Schwärmen, in denen sich die einzelnen Satelliten untereinander austauschen, sind allerdings in Diskussion. Der Großteil der Technologien, die unsere Gegenwart bestimmen, ist unsichtbar. Das gilt neben Gentechnik, Nuklear- und Nanotechnologien auch für Satelliten. Durch ihre Unsichtbarkeit befinden sie sich meist außerhalb der Wahrnehmung im Sinne einer kritischen Auseinandersetzung mit ihrer Funktionsweise. Mit Sonifications unternehmen wir den Versuch, Möglichkeiten für diese Auseinandersetzung zu schaffen.
 
1 mursat1 wurde 2009 von mur.at ins Leben gerufen. An diesem ersten österreichischen Kunstsatelliten arbeiten mittlerweile ca. 30 Personen rund um mur.at, realraum und ESC im LABOR. http://sat.mur.at
 
2 Das NORAD (North American Aerospace Defense Command, Nordamerikanisches Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando), eine gemeinsame Einrichtung der Vereinigten Staaten und Kanadas, ist für die Überwachung und Verteidigung des Luftraums über Nordamerika zuständig, was auch die Frühwarnung vor Angriffen mit Flugzeugen, Raketen oder Weltraumfahrzeugen einschließt. http://www.norad.mil
 
3 Schwarmintelligenz (SI) bezeichnet das kollektive Verhalten eines dezentralisierten, selbstorganisierten Systems, ob natürlich oder künstlich. Das Konzept findet in der Forschung über Künstliche Intelligenz Anwendung. Der Begriff wurde 1989 von Gerardo Beni und Jing Wang im Kontext von zellulären Automaten geprägt. (Wikipedia)
Reni Hofmüller

InterpretInnen: 

Time Inventors’ Kabinet (A)
Jogi Hofmüller
Reni Hofmüller
Norbert Math
Peter Venus
Marian Weger

Leon Leder
Dominik Schmidt-Philipp
Stefanie Wuschitz

Kooperationen: 

In Kooperation mit ESC im LABOR. Die Stücke sind während der gesamten Zeit des steirischen herbsts 2011 als Installationen in ESC im LABOR zu erleben.