musikprotokoll 2010 Header
Konzert
Österr. Erstaufführung

Termine: 

08/10/2010 - 19:30

Orte: 

Biografien: 

Muri III b per Federico de Leonardis

Pierluigi Billone (c) Pierluigi Billone
Muri III b per Federico de Leonardis by Pierluigi Billone (mp3, 4.12mb) © ORF musikprotokoll
Muri III b per Federico de Leonardis

Ein Suchender, der „in den Tiefen der Möglich­keiten der Instrumente neue Klänge zu erfinden, zu erschaffen vermag." – So hat Sven Hartberger vom Klangforum Wien Billone anlässliche der Verleihung des Ernst-Krenek-Preises der Stadt Wien charakterisiert. Billones Suche gilt den vielfältigen Entstehungsmög­lichkeiten von Klang, sei es nun für traditio­nelle Instrumente oder für ungewöhnliche Klangerzeuger, wie in Mani. De Leonardis, in dem Billone die Klangmöglichkeiten von 4 Autofedern exploriert. Es ist dies das erste dem italienischen Künstler Federico De Leonardis zugedachte Stück, dessen Werk Billone vielfach zur Anregung und zum Aus­gangspunkt künstlerischer Auseinander­setzung geworden ist. Dies wird nicht nur in Titelgebung und Widmung sichtbar, sondern in der ganzen mani (Hände) betitelten Reihe von Stücken, die eine Auseinandersetzung mit De Leonardis erkennen lassen. Billones Interesse gilt dabei der Frage der Klangproduktion, den Entstehungsmöglichkeiten, die nicht erst im Erklingenden, sondern bereits in der Produk­tion des Klanges, im Zusammenwirken von Instrument und Körper ihren Anfang nehmen.

Dem Intellekt, dem rationalen Erfahren setzt Billone eine aus der praktischen Tätigkeit, dem Tun erwachsende „Intelligenz der Hände" entgegen – ein Konzept dem auch De Leonardis verpflichtet ist und auf dessen Arbeit Breve storia della mano (Eine kurze Geschichte der Hand) Billone mit den Werktiteln mani (Hände) Bezug nimmt. Erkenntnis - jenseits des Logos, dem dem Denken und der Sprache verbunde­nen Intellekt – gewonnen aus der praktischen, körperbezogenen Erfahrung.

Konsequenterweise entzieht sich Billone im Fall von Muri IIIb einem einführenden, erläu­ternden und damit sprachvermittelten und sprachgebundenen Text, statt dessen möchte er dem Hörer eine andere Erfahrungsebene öffnen und ihn mit seiner eigenen Inspirations­quelle, De Leonardis gleichnamigen Bild, konfrontiert wissen. Muri IIIb entstand als Auftragswerk der Ernst von Siemens Stiftung, des ORF musikprotokolls im steirischen herbst und der Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik, wo das Stück am 22. Juli dieses Jahres seine Uraufführung erlebte.
Gregor Kokorz

InterpretInnen: 

Pierluigi Billone (* 1960, I), Komposition
Arditti Quartet (GB)
Irvine Arditti, Violine
Ashot Sarkissjan, Violine
Ralf Ehlers, Viola
Lucas Fels, Cello