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Gomberg II

Trompetenorchester
Gomberg II - Trompetenorchesterprojekt

Franz Hautzinger wegweisendes Solo-Trompeten-Album Gomberg erschien im Jahr 2000. Es war ein musikalisches Statement, wie man es nur alle paar Jahre zu hören bekommt: Hier erschloss jemand lange nach dem Ende der Moderne tatsächlich über direkte Arbeit am Material eine neue, höchst differenzierte Klanggrammatik, mithin eine unbekannte musikalische Welt: Blasgeräusche, Stimmlaute, perkussive Akzentketten, gurgelnde, blubbernde, fauchende, zischende Klänge in mannig­faltigen Oberton-Schattierungen und dynamischen Abstufungen, sie waren hier zu hören, und sahen sich höchst musikalisch in flüchtige akustische Skulpturen, feinnervige Klangfarben-Melodien oder faszinierende soundozeanische Fluten und Wogen gegossen. Kaum zuvor hatte jemand die - rein akustische - Materialinvestigation auf der Trompete so weit getrieben und war gleichzeitig in seinen Resultaten so sinnlich, so plastisch geblieben. Mit Gomberg - der Name war identisch mit dem einer Phantasiefigur, die als Projektionsfläche für Hautzingers durchaus widersprüchliche Ideale diente - positionierte sich der Trompeter an vorderster Front der europäischen Improvisationsavantgarde, ja, er zeigte, dass es eine solche Avantgarde als ästhetische Kategorie tatsächlich noch existiert.

Das 2007 veröffentlichte Nachfolgeprojekt Gomberg II projiziert die erschlossenen Klangmaterialien per Overdub-Verfahren in den orchestralen Raum. Sinistre, flächige wie blubbernde Soundmorphologien und orgelartige Clusterbildungen dringen auf der CD aus dem studiotechnisch zum Trompeten-Chor geklonten Instrument Hautzingers und erwecken den Eindruck, hier hätte ein genialer elektronischer Soundtüftler zu warmem, obertonreichem Klang gefunden.

Andreas Felber

InterpretInnen: 

Franz Hautzinger, Komposition
Ryan Carniaux, Franz Hautzinger, Aneel Soomary, Alfred Gaal, Ritsche Koch, Mazen Kerbaj, Axel Dörner, Trompete
Carl Ludwig Hübsch
Paul Halwax, Tuba
Ralf Meinz, Sound