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Konzert
Österr. Erstaufführung

Termine: 

05/10/2007 - 21:30

Orte: 

Biografien: 

Popular Mechanics

Popular Mechanics

Pierre Bastien möchte den musikalischen Entstehungsprozess in seiner Vollständigkeit erfahren, von A bis Z, vom Anfang bis zum Ende. Er möchte dem Ursprung von Klang und von seiner ganz persönlichen Vorstellung von Musik so nahe wie nur irgendwie möglich kommen und dabei nimmt der Musiker, Klanginstallateur und Instrumentenbauer sein Publikum mit, führt es ganz nahe an das von ihm entwickelte mechanische Orchester „Mecanium" heran.

Nach einer Beschreibung seiner musikalischen Vision befragt, führt Pierre Bastien die fünf Elemente Rhythmus, Harmonie, Melodie, Klangfarbe und Noise an, die er für wichtig hält und die seine Musik umfassen soll. In der modernen Musik seien in der Regel ein, zwei oder drei Elemente enthalten, selten vier und so gut wie nie alle fünf. „Mecanium" würde ihm dabei helfen, eine Musik zu machen, in der diese fünf Elemente zusammenkommen.

Susanna Niedermayr: Sie haben Ihr Orchester „Mecanium“ nach dem Spielzeug „Meccano“ benannt, warum?

 

Pierre Bastien: Weil ich dieses Spielzeug liebe, es ist ein wunderbares Spielzeug. Es ist Mechanik im Kleinen, – für Kinder, aber auch für Erwachsene. Manchmal werde ich zu wissenschaftlichen Ausstellungen eingeladen. Im Rahmen einer solchen Ausstellung, sie war in Holland, habe ich zum Beispiel einmal kleine Mond- oder Marsautos gesehen, die Techniker im Zuge ihrer Weltraumforschungen mit „Meccano“ gebaut hatten. Es geht so einfach! Man kann im Kleinen genau das bauen, was man gerne im Großen bauen würde.

 

Niedermayr: Im Alter von 15 Jahren, also nun schon vor beinahe 40 Jahren, haben Sie Ihren ersten Klangroboter gebaut. Wie kam es dazu?

 

Bastien: Ja, das war im Jahr 1968 und wir haben natürlich gegen die Schule rebelliert. Und ich habe auch gegen meine Musikausbildung rebelliert. Ich habe zu der Zeit Gitarre gelernt und, wie damals üblich, wurde ich dabei stets von einem Metronom begleitet. Ich hasste das Metronom, für mich war es ein Anti-Instrument und im Mai 1968 hatte ich dann die Idee links und rechts je eine Pfanne an das Metronom zu montieren. Statt klick, klick machte es nun boing ding boing ding. Das war meine erste Maschine, eine sehr einfache Maschine. Aber zum Glück hatte ich damals die Idee sie aufzunehmen. Dazu spielte ich Gitarre.

 

Niedermayr: Diese Aufnahme ist als erstes Stück auf ihrer CD les premières machines zu hören. Mittlerweile haben Sie an die 0 Klangroboter um sich herum versammelt. Was ließ Sie nach der Schaffung dieser ersten Maschine weiterbauen?

 

Bastien: Es würde mir keine Befriedigung verschaffen, so wie es die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen tun, eine Maschine zu spielen, die jemand anderer gebaut hat. Dieser Andere hatte an meiner Stelle Spaß. Aber ich möchte selber Spaß haben. Ich möchte Freude an den Dingen haben, die ich tue und ich glaube die meiste Freude an der Arbeit mit etwa einem Roland-Synthesizer hatten jene Leute im Labor, die diesen Synthesizer gebaut haben. Genau diese Freude ist es, die ich leben möchte. Und es ist auch sehr spannend mit einem selbst gebauten Instrument aufzutreten, denn da gibt es dann keine Ausreden mehr. Ich muss mich einfach hundert

Prozent auf mich selber verlassen können.

 

Niedermayr: Es gibt zwar einige Kooperationen mit anderen Musikern, aber in der Regel treten Sie mit „Mecanium“ auf. Was sind die Vorzüge eines mechanischen Orchesters gegenüber einem Orchester mit Spielerinnen und Spielern aus Fleisch und Blut?

 

Bastien: Zuerst einmal hat man immer jemanden zum Proben. Man muss keine Freunde anrufen und versuchen, sie zu überreden, vorbeizukommen, um mit einem zu proben. Diese Freunde kommen ja auch nur zu einer oder zwei Proben, aber nicht zu . Und ich baue gerne Maschinen, die weniger als Menschen können. Die meisten Instrumentenbauer haben bislang den umgekehrten Weg eingeschlagen. Sie haben versucht Maschinen zu bauen, die virtuoser als Menschen sind. Ich aber hasse Virtuosität! Wenn Musiker immer wieder

dieselben drei Noten spielen sollen, dann langweilen sie sich schnell. Musiker sind meistens gut ausgebildet, sie können mehr spielen und sie wollen auch mehr spielen. Meine Maschinen hingegen langweilen sich nie. Und das Zusammenspiel mit ihnen ermöglicht es mir auch die etwaigen Schwierigkeiten zu vermeiden, die das menschliche Aufeinandertreffen mitunter mit sich bringt. Mit meinen Maschinen brauche ich nicht zu reden, sie spielen einfach und das einzige wonach sie verlangen ist Strom. Das ist auch sehr gut. Außerdem gefällt mir der Gedanke, dass in einer einzigen Band alle musikalischen Traditionen zusammenkommen.

Niedermayr: Und wann stoßen Sie bei Ihren Maschinen an die Grenze? In welchen Augenblicken hätten Sie dann doch lieber ein Gegenüber aus Fleisch und Blut?

Bastien: Diese Augenblicke gibt es eigentlich nicht. Selbst mich sollte man von der Bühne kriegen.

Niedermayr: Das finde ich nun aber nicht, denn wer würde dann „Mecanium“ so charmant auf Taschentrompete begleiten? Wie sind sie übrigens zu diesem Instrument gekommen? 

Bastien: Ich spiele Taschentrompete weil dieses Instrument klein ist und sich damit gut ins Orchester einfügt, denn all meine Maschinen sind ja auch klein. Ich spiele auch Daumenklavier weil es klein ist. Stellen Sie sich vor, ich würde meinen Kontrabass mit auf die Bühne bringen. Das wäre doch ein wenig seltsam oder?

Niedermayr: Sie sind ein passionierter Sammler. Wie viele Instrumente haben Sie in den letzten Jahren aus den verschiedensten Winkeln dieser Welt zusammen getragen?

Bastien: Es werden wohl so an die 200 sein…

InterpretInnen: 

Pierre Bastien, Komposition, Realisation