musikprotokoll 2004 Header
Konzert
Uraufführung

Termine: 

23/10/2004 - 21:30

Orte: 

Biografien: 

untitled (string quartet, 2003)

untitled (string quartet, 2003)

Ich begann meine musikalischen Studien im Alter von zwölf Jahren bei Val Krebs, einem sanften, aber gebrochenen Klubmusiker aus der heruntergekommenen Küstenstadt East Keansburg in New Jersey, der mich Klarinette und Saxofon lehrte. Val gab dabei immer wieder Ratschläge seines Lehrers Stefan an mich weiter; später entdeckte ich, dass es sich dabei um Stefan Wolpe handelte.

Als Val aufgrund einer Erkrankung nicht mehr unterrichten konnte, wurde der für das Überarbeiten und Optimieren von Klarinettenmundstücken berühmte Everett Matson mein neuer Lehrer. Bis ich in eine meiner Stunden The Rite of Spring von Hubert Laws mitbrachte, wusste ich nicht einmal, dass der Komponist des Titelstücks dieser Aufnahme Igor Strawinsky war. Matson lebte hinter der Militärbasis Fort Monmouth in Ocean, New Jersey; rückblickend muss es als Zufall bezeichnet werden, dass er so weit entfernt von jedem kulturellen Zentrum meine Ignoranz mit Bruno Bartolozzis Neuen Klängen für Holzblasinstrumente belohnte, einem Buch, das für einen Vier­zehnjährigen mit einem Nimbus umgeben war, den andere Prousts Auf der Suche nach... zuschrei­ben — allerdings war seine Metaphysik eher theoretischer Natur denn suggestiv.

1996 präsentierte das musikprotokoll meine Kammeroper Cezanne's Doubt. Wenn heute noch irgend etwas dazu zu sagen ist, dann, dass der Zweifel mich mehr interessiert als Cezanne. So gesehen könnten die ungewöhnlichen Stimmungen der Instrumente bei meinem Streichquartett eine weitere Manifestation dieser Aura des Vagen und Unbestimmten sein: In demAugenblick, da Konventionen über Bord geworfen werden, haben mit einem Mal alle Möglichkeiten (wie sie nun einmal sind) Präsenz. Die Frage ist nur, wie man mit der Möglichkeit umgeht. Da ein Titel einem Stück gleichsam einen Stempel aufdrückt — es an etwas festmacht oder in Zeit und/oder Raum platziert —, gibt es in diesem Fall keinen Namen. Wie könnte man schon das Gefühl zu einer bestimmten Tageszeit benennen, wenn sich das Licht stärker verändert als die Stimmung, von der wir zwar behaupten, dass sie den Raum erfüllt, die in Wirklichkeit aber unsere eigene ist? Nichts, was der Worte bedarf.

Daniel Rothman

InterpretInnen: 

Daniel Rothman, Komposition
Kairos Quartett
Wolfgang Bender, Violine
Chatschatur Kanajan, Violine
Simone Heiligendorff, Viola
Claudius von Wrochem, Violoncello

Kooperationen: 

Auftragswerk musikprotokoll.