musikprotokoll 2002 Header
Konzert

Termine: 

31/10/2002 - 21:00 bis 22:00

Orte: 

Biografien: 

Trapist

Trapist

Vertrauen in weite Zeiträume und eine Vorliebe für selbsttragende Strukturen läßt die Musiker auf vorgefertigte Formmodelle verzichten. Dabei entsteht eine hybride Musik, der weder mit dem Diskurs der Improvisateure, auch nicht mit jenem der freien, beizukommen ist, noch mit jenem der Kompositeure, auch nicht mit jenem der offenen Formen. Es geht um einen ineinander­geschachtelten Dreischritt; um Schritte, die als solche nicht neu sind, in ihrer konsequenten Anwendung, Auffächerung und Hinterfragung aber doch das Musik-Erfinden neu beleuchten: die Notwendigkeit eines ästhetischen Filters, das Entwickeln von tragenden Strukturen und die Möglichkeiten des Speicherns oder Wiederholens. In diesem tripolaren Spannungsfeld enstand in den letzten Jahren eine Spielkultur, in deren Kontext sich auch Trapist bewegt, deren Basis ein „improvisiertes", dem Augenblick verpflichtetes Musizieren ist, deren Ziel sich aber unterscheidet von der expressiven Ausdrucksästhetik des individuellen Moments.
 
Trapist spielt mit Gitarre, Bass und Schlagzeug in einer Welt, in der die Programme im Computer mehr vorweg strukturieren können, als manch altes Notenblatt und alle Musikerabsprachen es je vermochten, und gerade deswegen sind die Fragen, wie Filtern, Strukturieren und Speichern aufeinander abgestimmt sind, die ent­scheidenden Fragen. Würden wir uns im europäischen Kompositionsdiskurs befinden, hieße die Fragestellung nicht Filter, Struktur und Speicher, sondern Material, Form und Notation, in der Tradition des nichtidiomati­schen Improvisierens wohl Kreativität, Intensität und Spontaneität. Trapist bewegt sich auf eine - um die Atmosphäre der Musik mit diesem Adjektiv anzudeuten - traumwandlerisch sichere Art zwischen diesen Sphären: Das Material - vielleicht eine Songwelt im Unbewussten - drängt durch den ästhetischen Filter der Kreativität. Die Intensi­tät einer im Augenblick zu findenden Struktur ergibt die dehnbare Form. Und anstelle des unauf­lösbar scheinenden Widerspruchs zwischen Notation und Spontaneität setzt sich das Speichern (und variierte Wiederholen oder Fortsetzen) der Schönheit viel zu langer Augenblicke, in denen die Musik oszilliert zwischen dem noch nicht gefundenen und nie gesuchten, dem nicht dargebotenen und immer schon dagewesenen Song.
 

Christian Scheib

InterpretInnen: 

Martin Siewert, Gitarre, Elektronik
Martin Brandlmayr, Schlagzeug, Perkussion
Joe Williamson, Bass