musikprotokoll 2001 Header
Installation
Uraufführung

Termine: 

11/10/2001 - 10:00 bis 23:00
12/10/2001 - 10:00 bis 23:00
13/10/2001 - 10:00 bis 23:00
14/10/2001 - 10:00 bis 23:00

Orte: 

... den Raum stimmen...

... den Raum stimmen...

Die Ausstattung ist fast immer dieselbe. Manchmal, zunehmend seltener, liegen die sanitären Einrichtungen auf dem Gang, üblicher sind die nachträglichen Kabineninstallationen, manchmal ist das Zimmer auch etwas größer als gewöhnlich, hat ein Fenster, gelegentlich auch einen Balkon. Komfort ist eine Frage des Geldes. Doch Bett, Stuhl, Tisch und Schrank, Telefon, Radio und Fernseher, gerne in unhandlichen Kombipackungen, besitzt jedes Hotelzim­mer, manchmal plus Minibar. Anderes Interieur im globalen Beherbergungswesen ist selten. Ausnahme Japan: Ryokan mit Tatami, Futons und kaum mehr oder die Kapsul-Einrichtungen mit gut drei Kubikmeter persönlicher Schlafkammer samt integriertem Kopfhörer-Radio-TV bieten Alternativen zum ebenfalls vorhandenen „Western Style". Doch hie wie da: Hotelzimmer sind anonyme Räume, ephemer belebt durch die eigene Anwesenheit, als Zimmer der Nacht, vor zehn Uhr morgens geräumt. Zugleich bersten die Räume und ihre Gegenstände vor Geschichte(n). Erinnerungen, die keine Spuren hinterlassen, vor allem nicht hinterlassen dürfen. Der neue Gast soll schließlich alles so vorfinden, als sei er der Erste, der die Einrichtungen betritt und nutzt. So ergeht es auch denjenigen, die während des musikprotokolls 2001 das Zimmer 208 im Grazer Hotel 3 Raben aufsuchen. Wie üblich befindet sich dort alles an seinem angestammten Platz. Nichts ist verändert, nichts Ungewöhnliches zu entdecken, ein Hotelzimmer wie jedes andere auch. Doch dieses Mal erzählen Schlafraum und Naßzelle ihre Geschichte(n); sie erinnern sich an das, was (in) ihnen passiert ist, und visieren mögliches an. Unsichtbar läßt Johannes S. Sister-manns ... den Raum stimmen..., wie er seine vierkanalige Klangplastik nennt, die mit Alltagsgeräuschen und Instru­mentalklängen das potentielle akustische Datenarchiv (je)des Hotelzimmers freisetzt. So rücken uns nun jene Resonanzen zu Leibe, die wir stetig hinterlassen. Die Anonymität ist aufgehoben.

Stefan Fricke

InterpretInnen: 

Johannes S. Sistermanns, Konzept und Realisation