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MOMENT GELÉE

MOMENT GELÉE

Um uns einen Moment des Alltags wahrnehmbar zu machen, frieren wir diesen Moment ein. Durch diesen Prozess verliert die Zeit ihre Relativität zum Einheitspunkt und dadurch werden die Formen aufgelöst. Was übrig bleibt sind Einzelelemente, die jedes für sich eine Einheit bildet. Dieser Raum - bestimmt von den Einzelelementen - wird von jedem Besucher anders rezipiert.

Als grundlegende Elemente wurden Fernsehrauschen (in Zusammenhang mit dem Audio-Rauschen), Schwarz/Weiss-Fades, Helle/Dunkle-Flächen, Unterteilungen, Störungen, ... verwendet. Zusammen komponiert auf den sieben Monitoren, ergeben diese Elemente eine Einheit, einen Augenblick Leben, reduziert auf das Wesentli­che, auf Schwarz und Weiss, auf die Dualität unserer Beziehungen...

Als Klangmaterial dienen Sopransaxophon-, Setar-, Tomback- (ein mit zehn Fingern gespieltes persisches Schlaginstrument) und Vokalsamples als auch live eingespielte Saxophon- und Seta-rimprovisationen, die durch oft extreme Veränderung des Tempos und der Klangfarbe als solche nicht mehr zu erkennen sind und zu einer neuen Einheit verschmelzen. Unsere Sinne werden betrogen, entpuppen sich doch vordergründig elektronische Klänge bei genauerer Betrachtung als rein akustisch. Die Saxophonsamples bewegen sich in extremen Ausdrucksbereichen, wie zum Beispiel Vierteltöne, Multiphonics, „false Fingerings", singen, „Zahntönen" aber auch nor­malerweise kaum hörbaren Luft- und Klappengeräuschen. Wie in einem abstrakten Gemälde beginnen wir durch die Überwindung der Grenze des Bekannten, in scheinbar unverständlichen Klanggebilden, Zusammenhänge zu erkennen, neue Eindrücke in uns aufzunehmen und für uns persönlich neu zu interpretieren. Wir verschieben unsere Wahrnehmungsgrenze und unseren eigenen Horizont ein kleines Stück weiter nach hinten.

InterpretInnen: 

Kiawasch Saheb-Nassagh, Konzept, Setar, Klangsynthese, Klangverarbeitung, Audiorealisation, Videorealisation
Clemens Frühstück, Sopransaxophon, Midi-Wind, Audiorealisation, Mastering, Surround-Sound Bearbeitung, Koordination und Raum­überlegung des gesamten
Audiomaterials
Florian Frühstück, Platzierung der Monitore
Horst Schaffer, Trompete
Enes Seferovic, Kontrabass
Bajram „Iamy" Isterfijr, Schlagzeug und Percussion