musikprotokoll Header 2012

Programmüberblick

Foto Terre Thaemlitz

No days of innocence!

02/10 & 09/10 Camp: Wohnzimmer

Terre Thaemlitz (J/USA), Franz Pomassl (A)

Konzertreihe elektronischer Musik
Elektroakustische Musik steht in dem Ruf, rein sonischer Materialität verhaftet zu sein und konkreten, auch sozialen Kodierungen um jeden Preis ausweichen zu wollen. Damit jedoch ignoriert sie ihren soziokulturellen Kontext und verschenkt ihr Potenzial einer kritischen Teilnahme. Doch die Tage der Unschuld sind vorbei: Terre Thaemlitz’ und Franz Pomassls Musik ist auch auf den ersten Blick kein L’art pour l’art, sondern sehr direkt und involviert.

Di 09/10, 21.30
  • Camp: Wohnzimmer
  • Franz Pomassl
Konzert

Die Reihe No days of innocence! ist eine Veranstaltung des steirischen herbstes und wird von Heike Schleper (D) kuratiert.

Foto Cover Postcard

ICAS Antichambre

04/10 - 07/10 Camp: Lailas Bar

Bambino Sound Systems (PL), Oliver Baurhenn (D), Rosa Reitsamer (A), Thomas Dumke (D)

Zu Beginn jedes Abends laden wir in das ICAS-Antichambre, unser tägliches Festival-Vorzimmer. ICAS-Kollegen, also Kuratoren befreundeter Festivals, legen ihre Lieblingsplatten auf, darunter, wie am ersten Abend, etwa auch Sound-Postkarten aus dem kommunistischen Polen der 1960er, 1970er und 1980er Jahre. Erste Theorie-Inputs eröffnen neue Gedankenwege. Bewusst kleinteilig gestaltet, bildet sich hier bereits die für das musikprotokoll heuer ganz neue Programmstruktur ab, in der Theorie, Praxis, unterschiedliche Genres, Medien und Formate eine Vielzahl an neuen Verschränkungen eingehen. Thematisch steht die diesjährige Festivalausgabe ganz im Zeichen des europäischen Netzwerkprojektes Networking Tomorrow’s Art for an Unknown Future und seinem derzeitigen Leitthema Networks of Advanced Sound and Related Arts - Bridging Cultural Sectors and Different Media, and Enabling Citizen Innovation des Festivalnetzwerkes der International Cities of Advanced Sound (ICAS), das 2008 vom musikprotokoll mitbegründet wurde.

Do 04/10, 17.30
  • Camp: Lailas Bar
  • Bambino Sound Systems
Konzert, Performance
Österr. Erstaufführung
  • Eintritt frei

Fr 05/10, 17.30
  • Camp: Lailas Bar
  • Oliver Baurhenn
Konzert
  • Eintritt frei

Foto Lichtschwert

Resonating Sculpture

04/10 & 07/10 Camp / Camp: Wohnzimmer

Reni Hofmüller / Christian Lammer / Jogi Hofmüller (A)

Enharmonische Funktionsveränderungen eines Lichtschwertes
Wofür können vorhandene Objekte verwendet werden? Nicht ihre Gestalt, sondern ihre Funktion wird temporär verändert, erweitert und so zur Sende- und Empfangsantenne für elektromagnetische Wellen. Doch ihre Gestalt bestimmt, wie sich die Wellen verbreiten können. Die Komposition wird über das „Lichtschwert“-Monument von Hartmut Skerbisch neben dem Festivalzentrum als Antenne auf eine unberechenbare Reise geschickt, an verschiedenen Orten der Welt empfangen, aufgenommen, vielleicht aktiv verändert und dann nach Graz zurückgesendet. Die ORF Kunstradio-Sendung, drei Tage nach dem ursprünglichen Konzert, besteht aus den gesammelten, zurückgefunkten Antworten – aus neuem, von Wetter und Ionosphäre beeinflusstem Material, dessen Erzeugung nicht wiederholt werden kann.

Do 04/10, 18.30
  • Camp
  • Reni Hofmüller, Christian Lammer, Jogi Hofmüller
Konzert
Uraufführung
  • Eintritt frei

Uraufführung, Auftragswerk ORF Kunstradio & musikprotokoll. „Playing the Building“ basiert auf der Idee, dass jedes Ojekt seine eigenen Schwingungen produziert und diese nur hörbar gemacht werden müssen.

Foto Enharmony

Enharmony

04/10 - 07/10 Camp: Black Cube, Camp: Lailas Bar, Camp: Wohnzimmer, Camp: White Box

Sabine Sanio (D), Susanna Niedermayr (A), Dahlia Borsche (D), Jeremy Gilbert (GB), Christian Scheib (A), Werner Jauk (A), Reni Hofmüller, Jogi Hofmüller (A), Christina Nemec (A), Gregor Kokorz, Julia Gerlach (A)

Eine enharmonische Verwechslung
Klänge fordern auf, Welt zu verändern und Welt verändert wahrzunehmen. Dazu brauchen sie Bedeutung. Die kann sich verändern, ohne dass der Klang sich verändert. Selbst Wahrheit des Klangs als Bedeutung und als Handlungsaufforderung ist nicht absolut, sondern referenziell, kontingent und kontextabhängig. Diesen Mechanismen geht das musikprotokoll musikalisch, theoretisch und künstlerisch nach. Der Kontext erzeugt die Bedeutung der enharmonisch produktiv zu verwechselnden Wahrheit. Das musikprotokoll. An enharmony.

Do 04/10, 22.30
  • Camp: Black Cube
  • Susanna Niedermayr
Lecture Performance
  • Festivalpass 2012

  • TP04102012

Do 04/10, 23.30
  • Camp: Lailas Bar
  • Reni Hofmüller, Jogi Hofmüller
Lecture Performance
  • Eintritt frei

Fr 05/10, 22.00
  • Camp: Wohnzimmer
  • Christina Nemec
Lecture Performance
  • Festivalpass 2012

  • TP05102012

So 07/10 17.30
  • Camp: Lailas Bar
  • Werner Jauk
Lecture Performance
  • Eintritt frei

So 07/10 18.30
  • Camp: Black Cube
  • Gregor Kokorz
Lecture Performance
  • Eintritt frei

So 07/10 20.30
  • Camp: Black Cube
  • Patrick Hahn
Lecture Performance
  • Festivalpass 2012

  • TP07102012

Auftragsprojekt musikprotokoll.

Foto Anke Eckardt

Between | you | and | me

04/10 - 07/10 Camp: White Box

Anke Eckardt (D)

Immateriality as Concrete Truth.
Wände trennen, diese Wand verbindet. Eine Wand aus Klang und Licht wird erst zur Wand, wenn sie konkret erlebt wird und verwandelt sich im selben Moment, eben weil sie durchlebt wird, von einer trennenden Wand in eine verbindende Erfahrung. Walls as Bridges. „Nur aus nächster Nähe und in der Bewegung der Besucherinnen und Besucher wird diese Wand als Wand wahrnehmbar. Zwei dünne Häute aus Licht formen dann einen sichtbaren Rahmen, der mit Klang gefüllt ist. Über ein Mehrkanal-Setup an extrem gerichteten Lautsprechern, Hypersonic Speakers, werden in Form einer Aneinanderreihung einzelner Schallbeams unterschiedliche Texturen von zerbrochenem Glas hörbar: Eine Klangarchitektur, deren Konstellation sich in Abhängigkeit von der Position der Besucherinnen und Besucher ändert.“

Foto Ivana Kis

Cantus Ensemble / Ensemble Zeitfluss

04/10 & 05/10 Camp: Black Cube

Cantus Ensemble (HR), Ensemble Zeitfluss (A), Ivana Kis (HR), Aliser Sijaric (BIH), Yukiko-Watanabe (JP), Thomas Amann (A), Christian Klein (A), Marko Nikodijevic (SRB/D)

Eine hoffentlich Never-ending-Story ist der nachbarschaftliche Brückenschlag. Und doch muss ihn jede Generation neu erfinden. Vor mehr als 40 Jahren, zur Gründungszeit des steirischen herbstes, war unter dem Begriff Trigon der Kunstaustausch zwischen Jugoslawien, Österreich und Italien zentrale programmatische Absicht gewesen. Auch im musikprotokoll finden sich seit diesen Jahren aktive Verbindungen nach Zagreb, Ljubljana und Belgrad. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts vermehren sich im Programm Positionen aus dem exjugoslawischen Raum, vom Belgradeyard Sound System zu Marko Nikodijevic. Die Ö1-Serie nebenan fungierte damals als Zusatzmotor, die zweisprachige musikprotokoll-Publikation European Meridians. New Music Territories erschien 2003. Heuer tauschen zwei führende Ensembles für zeitgenössische Musik aus Graz und Zagreb Erfahrung und Musik aus: sechs Ur- und Erstaufführungen im Wechselspiel.

Do 04/10, 20.00
  • Camp: Black Cube
  • Ivana Kis, Cantus Ensemble
Konzert
Uraufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP04102012

Do 04/10, 20.00
  • Camp: Black Cube
  • Aliser Sijaric, Cantus Ensemble
Konzert
Uraufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP04102012

04/10 - 23.00
  • Camp: Black Cube
  • Yukiko Watanabe, Cantus Ensemble
Konzert
Uraufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP04102012

Fr 05/10, 20.30
  • Camp: Black Cube
  • Thomas Amann, Ensemble Zeitfluss
Konzert
  • Festivalpass 2012

  • TP05102012

Fr 05/10, 20.30
  • Camp: Black Cube
  • Christian Klein, Ensemble Zeitfluss
Konzert
  • Festivalpass 2012

  • TP05102012

Fr 05/10, 20.30
  • Camp: Black Cube
  • Marko Nikodijevic, Ensemble Zeitfluss
Konzert
  • Festivalpass 2012

  • TP05102012

Die Kompositionen von Yukiko Watanabe und Thomas Amann sind Auftragswerke des musikprotokolls. Die Kompositionen von Ivana Kis und Aliser Sijaric sind Auftragswerke des Cantus Ensemble.

Foto dieb13

Cage stehlen mit dieb13

04/10 - 07/10 Camp: Bloghaus, Camp: Wohnzimmer

dieb13 (A)

Das Erstaunliche an diesem Stück aus jenen Jahren, in denen Cage das Arbeiten mit dem Zufall zu kultivieren begann und seine Positionen immer mehr radikalisierte, ist, dass es tatsächlich einfach kurze Geschichten sind. Mit Anfang und Ende und meist mit Pointe. Für jede Geschichte ist eine Minute vorgesehen. Manche dieser Minuten sind mit sehr viel Text gefüllt, viele mit sehr wenig. Man möge das Sprechtempo dementsprechend variieren, heißt es in der Handlungsanweisung zur Aufführung. „Mit oder ohne musikalische Begleitung“ steht dort auch. Für diese Ö1/musikprotokoll Fassung von Indeterminacy kreiert der Turntablist dieb13 mit seinem Stück Cage stehlen das „accompaniment“ aus Schallplatten mit ausschließlich Musik von John Cage. David Tudor agierte ähnlich, auch er verwendete Fragmente aus existierenden Cage-Werken, wenn auch mit Klavier und Elektronik. In noch einem Punkt orientieren wir uns am cageschen Original: Bei Aufführungen würde er an einem Tisch sitzen, schreibt er, mit „einem Mikrofon, einem Aschenbecher, meinen Texten, und einer Flasche Wein.“

Foto Boris Hegenbart

Instrumentarium I.

04/10 - 07/10 Camp: Black Cube

Boris Hegenbart (D), Martin Brandlmayr (A), Martin Siewert (A), Marc Weiser (D), Felix Kubin (D)

Vor rund acht Jahren hat Boris Hegenbart mit einem Projekt begonnen, das die Gestaltungsprinzipien der Dub-Musik aufgreift und fortspinnt. In der Dub-Musik ist das Tonstudio Instrument. Durch Veränderung einzelner Klangspuren werden von einem Stück oftmals zahlreiche Versionen angefertigt. Gemeinsam mit Martin Brandlmayr, Felix Kubin, Martin Siewert und Marc Weiser bringt Hegenbart sein Dub-Projekt nun erstmals auf die Bühne. Der Konzertsaal wird dabei zum Studio, das Publikum Zeuge eines musikalischen Prozesses, der normalerweise hinter verschlossenen Türen stattfindet. Während sich der jeweilige Instrumentalist in einem Nebenraum befindet, dem Geschehen nur via Kopfhörer folgen kann, ist Boris Hegenbart im Publikumsbereich platziert, um von dort aus dessen Klang zu zerlegen und aus den einzelnen Klangelementen in Echtzeit neue Kompositionen zu bauen.

Uraufführgen, Auftragswerk musikprotokoll.

Foto ICAS Bar Kitchen, Macus Schmickler

ICAS Kitchen / ICAS Bar

04/10 - 07/10 Camp: Wohnzimmer, Camp: Lailas Bar

Leonel Kaplan (AR) & Christof Kurzmann (A), Marc Weiser aka Rechenzentrum (D), DJ Charlotte Bendiks (N), Pole (D), Gas of Latvia (LV)

In seinem gemeinsamen Konzert mit dem Trompeter Leonel Kaplan spielt Christof Kurzmann akustischen Laptop. Reni und Jogi Hofmüller berichten von ihrem mur.sat-Workshop beim ECAS Partner-Meeting in Montreal. Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, ob es möglich ist, „den Wandel einer Gesellschaft durch den Wandel der Musik zu hören?“, sonifiziert Marcus Schmickler Zahlensysteme, denn „Musik und Ökonomie teilen sich ein besonders Objekt, die Zahl“. In seiner additiven Live-Vertonung des Filmes Entuziazm von Dziga Vertov aus dem Jahr 1929 knüpft Marc Weiser neue Assoziationsketten. Und Gas of Latvia und pole loten die Grenzen der Funktionalität von elektronischer Club Musik aus. Nach Berlin und Montevideo manifestiert sich nun auch in Graz die ICAS Kitchen, diesmal mit eigener Hausbar. Gemeinsam mit einer Reihe von ICAS Kolleginnen und Kollegen wurde ein Programm entwickelt, das die Vielseitigkeit des ICAS Netzwerkes und der durch es repräsentierten Musiken wiederspiegelt, - nicht ohne abermals zum Brückenbau einzuladen.

Fr 05/10, 23.30
  • Camp: Wohnzimmer
  • Marcus Schmickler
Konzert
  • Festivalpass 2012

  • TP05102012

Sa 06/10, 00.30
  • Camp: Lailas Bar
  • Gas of Latvia
Konzert
  • Eintritt frei

So 07/10, 00.30
  • Camp: Lailas Bar
  • pole
Konzert
  • Eintritt frei

In Kooperation mit CYNETART, CTM Festival, SOCO Festival, Skaņu mežs, Unsound & Insomnia. Das Konzert von Ulf Langheinrich musste leider abgesagt werden.

Foro Daniel Lercher

missa brevis

Heilandskirche

Daniel Lercher (A)

Eine jahrzehntelange Tradition brechend, konzentriert sich das musikprotokoll heuer auf einen Ort, das Festivalzentrum des steirischen herbst. Nur einmal geht es hinaus in die nahe gelegene Heilandskirche zu Daniel Lerchers missa brevis. Der Kirchenraum ist für Lercher der ideale Konzertraum, nicht nur wegen seiner speziellen Akustik, sondern auch weil er zur Ruhe gemahnt, Konzentration einfordert und die Wahrnehmung schärft. Der musikalische Schaffensprozess ist für Lercher so wie die Messe ein Ritus, der im besten Fall sowohl ihn als auch das Publikum an einen Ort bringt, an dem der Gedankenfluss für einen Augenblick versiegt, während sich die im Raum befindlichen Schwingungen zur kollektiven Musik vereinen – durch ihn, mit ihm und in ihm.

05/10-06/10
  • Heilandskirche
  • Daniel Lercher
Konzert
Uraufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP05102012

Sa 06/10 21.30
  • Heilandskirche
  • Daniel Lercher
Konzert
  • Festivalpass 2012

  • TP06102012

Foto Rebecca Saunders

Arditti Quartet

05/10 Camp: Black Cube

Christian Ofenbauer (A), Rebecca Saunders (GB), Paul Archbold (GB), Peter Jakober (A)

Zu jenen Komponierenden, deren Weg wir als musikprotokoll nun seit mehr als fünfzehn Jahren aktiv mitgehen, zählt die britische, in Berlin lebende Komponistin Rebecca Saunders. Musik für großes Orchester ebenso wie kleines Ensemble, interpretiert durch das RSO Wien oder das ensemble recherche, war über die Jahre zu hören. Bereits 1995 eröffnete das Arditti Quartet das erste von Christian Scheib programmierte musikprotokoll mit Uraufführungen von Streichquartetten von Olga Neuwirth und Rebecca Saunders. Ebenfalls eine Auftragskomposition von Rebecca Saunders ist nun jenes Werk, mit dem das Arditti Quartet seinen heurigen Stückreigen im musikprotokoll eröffnet, der sich darüber hinaus auch als ein kleines, Generationen übergreifendes Puzzle britischer und österreichischer Provenienz präsentiert.

Fr 05/10, 23.00
  • Camp: Black Cube
  • Peter Jakober, Arditti Quartet
Konzert
Österr. Erstaufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP05102012

Fr 05/10, 19.30
  • Camp: Black Cube
  • Rebecca Saunders, Arditti Quartet
Konzert
Uraufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP05102012

Fr 05/10, 23.00
  • Camp: Black Cube
  • Paul Archbold, Arditti Quartet
Konzert
Österr. Erstaufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP05102012

Fr 05/10, 19.30
  • Camp: Black Cube
  • Christian Ofenbauer, Arditti Quartet
Konzert
Uraufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP05102012

Die Komposition von Rebecca Saunders ist ein Auftragswerk von musikprotokoll & Wigmore Hall London. Mit der Unterstützung von Fondation Hoffmann & Ernst von Siemens Musikstiftung.

Foto Pfeifender Mann

The Silbadores / Part 1

05/10 Camp: Wohnzimmer

Heimo Lattner (A)

Part 1: Introduction – Work in progress
Im Zentrum von The Silbadores steht El Silbo, die vom Aussterben bedrohte Pfeifsprache der Guanchen, der Ureinwohnerinnen und Ureinwohner der Kanarischen Inseln. „Nun wird man aber nur schwer Pfeifen als stimmliche Äußerung bezeichnen können, bedarf es dazu weder Kehlkopf noch Stimmbänder. Aber auch die Stimme der Vernunft, die Stimme des Gewissens oder die politische Stimme tun dies nicht.“ Durch die  Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Stimme wirft Heimo Lattner Fragen zur Identität und zur Gesellschaft auf. „Die Stimme gehört nicht mehr zum Körper, aber noch nicht zur Sprache“, so Lattner, „nicht mehr zum Subjekt, aber noch nicht zum anderen; nicht mehr zum biologischen Leben, aber noch nicht zum sozialen Dasein. Sie bildet die Schnittstelle ‚zwischen Beiden‘, an einem eigentlich unmöglichen, wortlosen Ort."

Gewinnerprojekt ECAS Call 2012. Im Rahmen des ECAS Projektes „Networking Tomorrow‘s Art For an Unknown Future“.

Foto Eva Reiter

Klangforum Wien

06/10 Camp: Black Cube

Peter Jakober (A), Hèctor Parra (ES), Marina Khorkova (RUS), Eva Reiter (A)

Der 1977 in der Steiermark geborene Komponist Peter Jakober hat mit jenen Werken, mit denen er im musikprotokoll bisher vertreten war, deutliche Spuren hinterlassen, von einer intrikaten Uraufführung für Gitarrenquartett zu einem klangvoluminösen Werk für die blechblasend zu bespielende Molekularorgel. Das Klangforum Wien als einer der verlässlichen, treuen Freunde des Festivals kommt heuer zum musikprotokoll, um eine Uraufführung von Peter Jakober zu präsentieren. Die Werke der Komponistinnen Eva Reiter und Marina Khorkova sind ebenfalls neu und uraufzuführen, während mit der österreichischen Erstaufführung eines Werkes von Hèctor Parra ein weiteres Mal Musik dieses spanischen, inzwischen international renommierten Komponisten beim musikprotokoll zu hören ist.

Sa 06/10, 18.30
  • Camp: Black Cube
  • Peter Jakober, Klangforum Wien, Thomas Lehn
Konzert
Uraufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP06102012

Sa 06/10, 18.30
  • Camp: Black Cube
  • Marina Khorkova, Klangforum Wien
Konzert
Uraufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP06102012

Sa 06/10, 20.30
  • Camp: Black Cube
  • Eva Reiter, Klangforum Wien
Konzert
Uraufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP06102012

Partner Reinhard Schulz Preis für zeitgenössische Musikpublizistik: BR Klassik, nmz - neue musikzeitung, Kunstuniversität Graz, Deutschlandfunk, Forberg Stiftung Schneider, Klangspuren Schwaz Tirol, MKO Münchener Kammerorchester, Lucerne Festival, Donaueschinger Musiktage, Landesmusikrat Thüringen und ORF musikprotokoll.

Foto Trapist

Trapist

06/10 Camp: Black Cube

Martin Brandlmayr (A), Martin Siewert (A) & Joe Williamson (UK)

Welcome Back beim musikprotokoll. Seit dem Album Highway My Friend – und das war vor exakt zehn Jahren und Trapist spielten auch damals beim musikprotokoll – sind einige ästhetische Eckpunkte klar und zugleich im Fluss geblieben. Zehn goldene Jahre später präsentiert Trapist das neue und dritte Album The Golden Years nun beim musikprotokoll. Die vier „Songs“ der „golden years“ loten weite Räume aus und sind trotzdem immer am Punkt. So fragil und zugleich intensiv, manchmal abstrahiert und immer reflexiv auch musiziert wird, bleibt dennoch die Musikgeschichte des Gitarrebassschlagzeugtrios durchgehend hörbar, spürbar. Eine prinzipiell improvisatorische Grundhaltung spannt ebenso die Bögen wie sie für Momente der Überraschung sorgt. Hinter jedem Klang könnte eine musikalische Anspielung lauern, um dechiffriert zu werden oder auch nicht. Auch auf The Golden Years besteht die Erzählkraft darin, neue wie alte Zeichen mit Bedeutung zu versehen: Eine Rocktriobesetzung als enharmonische Verwechslung.

Sa 06/10, 22.30
  • Camp: Black Cube
  • Martin Brandlmayr, Martin Siewert, Joe Williamson
Konzert
  • Festivalpass 2012

  • TP06102012

Foto Skizze EF Ablinger

Synaesthetic Enharmony

07/10 Camp: Black Cube

Orestis Toufektsis (GR/A), Wolfgang Musil (A), EF Ablinger (A)

Toufektsis ist Musil ist Ablinger
Alles, was man während einer Aufführung sieht – auch die Bewegungen der Musiker, die oft in ihrer theatralisch-visuellen Qualität nicht wahrgenommen werden – oder auch visuell assoziiert, kann eine zweite, visuelle Ebene des Musikalischen sein. Man kann diese zweite Ebene auch darstellen und sie kann als Ausgangsmaterial für eine visuelle Komposition dienen, die strukturell direkt aus dem Musikalischen hervorgeht. Die Verbindung zwischen Bild und Musik kann so nur in der gemeinsamen „Bearbeitungsweise“ des „Ausgangsmaterials“ bestehen. Diese Form der Gleichzeitigkeit von Musik und Bild soll nicht eine Verdopplung, sondern eine Vielschichtigkeit – vielleicht sogar enharmonische Vertauschbarkeit – und Intensivierung der Wahrnehmung ermöglichen. Es entstehen zwei „Betrachtungsweisen“ der gleichen Struktur: eine visuelle und eine klangliche, eine synergetische und synästhetische enharmonische Verwechslung.

So 07/10, 19.30
  • Camp: Black Cube
  • Orestis Toufektis, Wolfgang Musil
Konzert
Uraufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP07102012

Foto Lehn, Lercher, Noetinger

Lehn/Noetinger/Lercher

07/10 Camp: Black Cube

Thomas Lehn (D), Daniel Lercher (A), Jérôme Noetinger (F)

Thomas Lehn spielt Synthesizer. Jérôme Noetinger spielt Tonbandgeräte. Daniel Lercher spielt analoge Elektronik. Thomas Lehn spielt zeitgenössische Musik in den verschiedensten Kontexten zwischen Improviationsensembles und Kompositionen. Jérôme Noetinger spielt Tonbänder und deren Materialität der Klangerzeugung in akustischen wie optisch-akustischen Kontexten. Mit dem Trio Metamkine hat er beim musikprotokoll 2000 im Augartenkino die gemeinsame Materialität von Filmstreifen und Tonband bemerkenswert erlebbar gemacht. Daniel Lercher spielt Mirkrofone und Transducer und Rückkoppelungen und analoges Selbstgemachtes. Das Trio Lehn/Noetinger/Lercher spielt in diesem Equilibrium von „organized sound“ (Edgar Varèse) erstmals beim musikprotokoll 2012. Ein Gleichgewicht von musikalisierten Geräuschen als produktive ambivalente enharmonische Verwechslung der Ursprünge des Geräuschs als Klang als Musik.

So 07/10
  • Camp: Black Cube
  • Thomas Lehn, Daniel Lercher, Jérome Noetinger
Konzert
Uraufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP07102012

So 07/10, 22:00
  • Camp: Black Cube
  • Thomas Lehn, Daniel Lercher, Jérome Noetinger
Konzert
Uraufführung
  • Festivalpass 2012

  • TP07102012

Auftragsprojekt musikprotokoll.