Banner musikprotokoll 2011

Programmüberblick

Foto Der Pfad zur linken Hand

Der Pfad zur linken Hand

06/10-09/10
Schloßbergstollen / Stadt Graz

Marcus Maeder (CH) / Jan Schacher (CH)

Topografisches Hörspiel
Seit einigen Jahren wächst der Einfluss rechtskonservativer Politik. Das unverhohlene Ausgrenzen vermeintlich Anderer, von Menschen mit unterschiedlichen nationalen, ethnischen oder religiösen Wurzeln scheint wieder salonfähig zu werden. Rechtspopulistische Polemik, oftmals religiös argumentiert, übertönt die Diskurse jener, die versuchen, die nötigen Grundlagen zu erforschen. Der Pfad zur linken Hand ist ein begehbares, akustisches Sittengemälde einer Gesellschaft, die globalisierte Märkte und Machtverhältnisse zur Grundlage ihrer kulturellen, sozialen und politischen Strukturen hat werden lassen. Ausgestattet mit Smartphones, Kopfhörern und einer eigens für dieses Projekt geschaffenen Applikation werden die Besucherinnen und Besucher zu einem Spaziergang durch die Grazer Innenstadt eingeladen, über die Marcus Maeder ein virtuelles Diskursfeld gespannt hat: Bei einer Stadtwanderung vom Schloßberg in den Stadtpark eröffnen sich neue Denkpfade und Argumentationswege.

06-09/10/2011
  • Schloßbergstollen
  • Stadtraum Graz
  • Marcus Maeder, Jan Schacher
Installation
Uraufführung
Foto CineChamber

CineChamber

06/10-07/10
Dom im Berg

Jade (A), Pita (A/GB), Subshrubs (A), Werner Dafeldecker (A), Lawrence English (AUS), Christian Fennesz (A), Lillevan (D), Monolake (D/NL), Tarik Barri (NL), Signal (D), Ryoichi Kurokawa (J), Biosphere (N/D), Egbert Mittelstädt (D), Maryanne Amacher (USA)

Das CineChamber lädt ein in eine neue Dimension der Audiovision. Es ist zugleich Instrument und Präsentationsplattform; eine von Recombinant Media Labs eigens entwickelte Surround-Technologie für Audio ebenso wie für Video, die uns in neue, allesamt speziell für das CineChamber entstandene Klang-Bild-Welten eintauchen lässt. Gemeinsam mit den vier Partner-Festivals des ECAS-Netzwerkprojektes Networking Tomorrow’s Art for an Unknown Future wurde – auch von österreichischen Musikerinnen und Musikern sowie Videokünstlerinnen und Videokünstlern – eine ganze Reihe von neuen Stücken geschaffen. Den Auftakt macht der dicht gepackte, rund dreistündige Eröffnungsabend mit zahlreichen Ur- und österreichischen Erstaufführungen; die darauffolgenden Nachmittage werden aus der Fülle des bereits reichhaltigen Archivs bestückt.

07-09/10/2011 - 14.00-18:00
  • Dom im Berg
  • Recombinant Media Labs (RML)
Film
Österr. Erstaufführung
Foto Hauntings Shackleton

Hauntings – Sonic Spectres

6/10, 7/10 und 8/10
generalmusikdirektion

Harappian Night Recordings (GB), Demdike Stare (GB), Leyland Kirby (GB), Dopplereffekt (USA/D), Vindicatrix (GB), Shackleton (GB)

Gespenster, Schatten und Wiedergänger in der Musik von heute.
Seit circa fünf Jahren existiert ein weiträumiges musikalisches Feld zwischen Sampledelica und Dub Noir, das als „Hauntology“ bezeichnet wird. Gemeinsam ist den Künstlern dieser heterogenen Szene die Arbeit mit gespensterhaften Echos und Vintage Sounds aus der Vergangenheit, die teilweise auch als Projektion einer verlorenen Zukunft gedeutet wird. Charakteristisch ist dabei das Liebäugeln mit paranormalen (Medien-)Phänomenen, deren unheimliche Nähe auf vielfältigste Weise beschworen wird. Hinzu kommen häufig ein Spiel mit Intimitäts- und Distanzeffekten sowie das Anzapfen von Referenz-Pools aus obskuren Film- und Fernseh-Soundtracks. Eine musikästhetische Spurensuche, die längst nicht mehr mit dem Stichwort Retro etikettierbar ist.

06/10/2011 - 23:00
  • Generalmusikdirektion
  • Demdike Stare
Konzert
07/10/2011 - 23:00
  • Generalmusikdirektion
  • Leyland Kirby
Konzert
07/10/2011 - 23:00
  • Generalmusikdirektion
  • Dopplereffekt
Konzert
08/10/2011 - 23:00
  • Generalmusikdirektion
  • Vindicatrix
Konzert
08/10/2011 - 23:00
  • Generalmusikdirektion
  • Shackleton
Konzert
Foto Agata Zubel

Klangforum Wien - Resch / Harnik / Pauset / Zubel

Fr 07/10, 19.30
Helmut-List-Halle

Gerald Resch (A), Elisabeth Harnik (A), Brice Pauset (F), Agata Zubel (PL), Klangforum Wien (A), Clement Power (GB), Florian Müller (A)

Die polnische Künstlerin Agata Zubel präsentiert sich seit den Neunzigerjahren bewusst nicht als Komponistin, sondern vielmehr als agile Performerin, die zwischen ihren bevorzugten Ausdrucksmitteln Schlagzeug, Stimme und Komponieren wenig Unterschied macht. Das diesjährige Klangforum-Konzert mischt in bester musikprotokoll-Tradition Entdeckungen und Unerwartetes mit der Gewissheit einer Qualität auch des im Detail Unplanbaren. So steht neben Zubel und den Komponisten Gerald Resch und Brice Pauset, der nach Jahren wieder zum musikprotokoll zurückkehrt, mit Elisabeth Harnik auch eine steirische Komponistin und Performerin auf dem Programm.

07/10/2011 - 19:30
  • Helmut-List-Halle
  • Gerald Resch, Klangforum Wien, Clement Power
Konzert
Uraufführung
07/10/2011 - 19:30
  • Helmut-List-Halle
  • Elisabeth Harnik, Klangforum Wien, Clement Power
Konzert
Uraufführung
07/10/2011 - 19:30
  • Helmut-List-Halle
  • Brice Pauset, Klangforum Wien, Clement Power
Konzert
Uraufführung
07.10.2011 19:30
  • Helmut-List-Halle
  • Agata Zubel, Klangforum Wien, Clement Power
Konzert
Österr. Erstaufführung
Foto Clemens Gedenstätter

Iconosonics

07/10, 8/10 und 9/10, jeweils 21.30
Helmut-List-Halle

L’Instant Donné (F), Yaron Deutsch (IL), Krassimir Sterev (GB/A)

Eine Geste ist nonverbale Kommunikation. Gibt es also ein Bild ohne Geste? Eine Geste ohne Bild? Musik ohne Geste? Welche Gesten wirken in der Musik? Was verstehen wir, wenn wir Klanggesten hören, was versteht unser Körper im Nachvollzug von gehörten Gesten? Clemens Gadenstätter hat zu diesen Fragen drei kompositorische Antworten skizziert, indem er an zu Bildern mit fixierter Bedeutung gewordenen musikalischen Figuren und Gesten arbeitet. Seine Grundlage sind dabei sowohl die aus dem Barock stammende Figurenlehre und musikalische Rhetorik als auch die akustischen Bilder der Programmmusik des 19. und 20. Jahrhunderts (die allesamt nach wie vor ungebrochen wirksam zu sein scheinen, nicht zuletzt in der Neuen Musik) sowie die kodifizierten Bildklänge zeitgenössischer Film- und Gebrauchsmusik. „Iconosonics“ gibt diesen kodifizierten Klangfiguren ihre rein musikalischen, klanglichen, rhythmischen und harmonischen Qualitäten zurück und und begibt sich auf die Suche nach solchen, die noch unerkannt sind. Ihre Bedeutungen bleiben als Erinnerungen bestehen und werden doch durch die Transformation neu erlebbar.

07/10/2011 - 21:30
  • Helmut-List-Halle
  • Clemens Gadenstätter, L´Instant Donné
Konzert
Österr. Erstaufführung
09/10/2011 - 21:30
  • Helmut-List-Halle
  • Clemens Gadenstätter, Yaron Deutsch, Krassimir Sterev
Konzert
Österr. Erstaufführung
08/10/2011 - 21:30
  • Helmut-List-Halle
  • Clemens Gadenstätter, L´Instant Donné
Konzert
Österr. Erstaufführung
RSO Wien

RSO Wien - Gustav Mahler Kompositionswettbewerb

Sa 08/10, 19.00
Helmut-List-Halle

David Lukáš (CZ), Rita Ueda (CAN), David Philip Hefti (CH), Balázs Horváth (H), Marko Nikodijevic (SRB/D), Peter Eötvös (H), RSO Wien (A)

Ungarn, Serbien, Tschechien: Nicht ohne Absicht erinnern die Herkunftsländer der Komponisten dieses Konzertes an eine alte musikprotokoll-Tradition aus den frühen Siebzigerjahren. Der Komponist Marko Nikodijevic beispielsweise war bereits vor beinahe zehn Jahren mit einer Auftragskomposition erstmals zu Gast. Mittlerweile lebt er in Deutschland und ist heuer mit einem neuen Werk, einer Art Hommage à Liszt für großes Orchester, eingeladen. Kanada und die Schweiz, ebenfalls Herkunftsorte von Komponisten dieses Konzertes, verweisen darauf, dass ein Teil dieses Konzertes sich aus der Jury-Entscheidung des internationalen Gustav Mahler Kompositionswettbewerb 2010 rekrutiert, an dem das ORF Radio-Symphonieorchester Wien beteiligt war.

08/10/2011 - 19:00
  • Helmut-List-Halle
  • David Philip Hefti, RSO Wien, Peter Eötvös
Konzert
Uraufführung
08/10/2011 - 19:00
  • Helmut-List-Halle
  • RSO Wien, Peter Eötvös, Balázs Horváth
Konzert
Uraufführung
Foto Sonifications

Sonifications

So 09/10, 12.00
ESC im LABOR

Time Inventors’ Kabinet (A)

Sonifikationen sind Übertragungen von Information in Klang. Anders als Visualisierungen sind solche Übersetzungen in Klang auch dann wahrnehmbar, wenn man nicht hinschaut. Im Klang können sich verschiedene Interpretationen miteinander verbinden, sich ineinander verschränken. Im Kontext des Time Inventors’ Kabinet kommt die interpretierte Information aus über ganz Europa verstreuten Winduhren. Die daraus entwickelten Stücke werden als Installation die Räume der ESC im LABOR durchziehen und im Rahmen des musikprotokolls als Performance präsentiert.

09/10/2011 - 12:00
  • ESC im Labor
  • Jogi Hofmüller, Reni Hofmüller, Norbert Math, Peter Venus, Marian Weger
Konzert, Performance
Uraufführung
Foto Brian Ferneyhough

ensemble recherche - Parra / Dufourt / Ferneyhough / Haas

So 09/10, 19.30
Helmut-List-Halle

Hèctor Parra (E), Hugues Dufourt (F), Brian Ferneyhough (GB), Georg Friedrich Haas (A), ensemble recherche (D)

Freunde sind Freunde, egal aus welcher Welt. Und Freund sein heißt Vertrauen haben – und auf Vertrauen, musikalisch-künstlerischem, basiert auch das Entstehen von Programmen wie diesem. Manches kommt im Prozess abhanden, anderes kommt unerwartet hinzu. Am Ende steht hoffentlich eine Genauigkeit und gleichzeitige Offenheit, die zu einer Kombination wie dieser führt: das Streichtrio des alten Radikalen Brian Ferneyhough, das neueste Werk seines spanischen Schülers Hèctor Parra, des französischen Klangtüftlers Hugues Dufourt und des österreichischen Klangkonzeptionisten Georg Friedrich Haas als gemeinsames Konzert, bei dem Haas den Dualismus aus struktureller Genauigkeit und einem Hang zum Unkontrollierbaren sogar auskomponiert, wenn er seine penible Kompositionskonstruktion mit schwer kontrollierbaren, zwei Meter langen Metallpendeln konfrontiert.

09/10/2011 - 19:30
  • Helmut-List-Halle
  • Hèctor Parra, ensemble recherche
Konzert
Österr. Erstaufführung
09/10/2011 - 19:30
  • Helmut-List-Halle
  • Brian Ferneyhough, ensemble recherche
Konzert
09/10/2011 - 19:30
  • Helmut-List-Halle
  • Georg Friedrich Haas, ensemble recherche
Konzert
Österr. Erstaufführung
Foto Esperanza

Esperanza

So 09/10, 23.00
Helmut-List-Halle / ORF Kunstradio

Werner Dafeldecker (A) & Lawrence English (AUS)

ORF Kunstradio
Im Februar 2010 besuchten Lawrence English und Werner Dafeldecker zwei Stützpunkte der antarktischen Halbinsel, um an einem künstlerischen Projekt zu arbeiten, das die spezifischen sozialen, historischen und geografischen Eigenschaften dieser Region sinnlich erfahrbar macht. Mithilfe eines breiten Spektrums analoger und digitaler Technologien dokumentierten die beiden Musiker das Leben auf den und rund um die beiden Forschungsstationen Marambio und Esperanza. Sie machten Aufnahmen ober- und unterhalb der Wasseroberfläche, von Pinguin-Kolonien, Vögeln, Seelöwen, Seeleoparden, Gletscherbrüchen und Schneestürmen. In „Esperanza“ verdichten English und Dafeldecker das gesammelte Klangmaterial zu einem Hörstück, das einen Einblick in die komplexen Abläufe dieser faszinierenden Welt bietet.

09/10/2011 - 23:00
  • Helmut-List-Halle
  • Werner Dafeldecker, Lawrence English
Konzert
Uraufführung
Foto Auditory Thresholds - Jason Lescalleet

Auditory Thresholds

27/09, 04/10 und 11/10
Festivaldistrikt - Club

Achim Wollscheid (D) & Bernhard Schreiner (D/A), Jason Lescalleet (USA), Carl Michael von Hausswolff (S) & Michael Esposito (USA)

Konzertreihe elektronischer Musik
Akustische Parallelwelten und wie diesen künstlerisch beizukommen ist – das ist der rote Faden der diesjährigen elektroakustischen Reihe des steirischen herbst. Carl Michael von Hausswolffs und Michael Espositos Paralleluniversum ist eines der Geister und der Verstorbenen. Hausswolff, Konzeptkünstler und Komponist aus Stockholm, und Esposito, Geisterjäger, Klangkünstler und -forscher aus Chicago, verweben elektronisch erzeugte Klänge und sogenannte EVP (Electronic Voice Phenomena oder Tonbandstimmen-Phänomene) zu dichten Klangcollagen. Für Achim Wollscheid und Bernhard Schreiner ist Parallelität eine Abstraktion, eine Idee, die von Übereinstimmung bei gleichzeitiger Trennung träumt. Die beiden in Frankfurt arbeitenden Künstler konfrontieren sich – auf der Bühne optisch voneinander getrennt – blind mit klanglichen Varianten verschiedener Soli und versuchen, diese miteinander zu verbinden. Einen weiteren Beitrag liefert Jason Lescalleet ein Künstler, der sich der Erforschung und Transformation von unbedeutenden Alltagsgeräuschen verschrieben hat. Lescalleet nutzt einfachste analoge Technik wie Bandmaschinen, um eine vermeintlich bekannte Geräuschhaftigkeit in eine andere, für den Zuhörer aber nicht weniger unfassbare Realität zu überführen. Wie mit einem akustischen Vergrößerungsglas entwirft er so referenzlos neue Klangwelten.

11/10/2011 - 21:30
  • Festivaldiskritkt 2011: Club
  • Jason Lescalleet
Konzert
Österr. Erstaufführung