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Konzert

Termine: 

09/10/2011 - 19:30

Orte: 

  • Helmut-List-Halle

Biografien: 

String Trio

Brian Ferneyhough (c) Brian Ferneyhough
Stringy Trio by Brian Ferneyhough | ensemble recherche (mp3, 4.43mb) © ORF musikprotokoll
String Trio - 22`

Anders als das Streichquartett hat das Trio nie eine klare Gattungstradition herausgebildet. Merkwürdigerweise tendiert es auch dazu, das Hinterfragen der eigenen Identität nicht unbedingt für notwenig zu halten. Hervorgegangen aus der barocken Triosonate, steht das Streichtrio eben nicht in der dynamischen Entwicklungslinie, der die klassische Sonatensatzform gefolgt ist. Während des 19. Jahrhunderts war es kaum präsent, und obwohl maßgebende Komponisten des letzten Jahrhunderts (Schönberg, Webern) zentrale Werke für diese Kombination vorgelegt haben, ist das Streichtrio ein „Außenseiter“ im Korpus der kammermusikalischen Besetzung geblieben.

Mein Streichtrio versucht, diese Entwicklungsgeschichte mitzureflektieren, vor allem in Hinblick auf die Ambiguität des expressiven Duktus, der unruhig zwischen serenadehaftem und dichterem linear orientierten Ansatz schwankt, wie er für gewöhnlich mit dem Medium des Streichquartetts assoziiert wird. Es gibt vier Hauptabschnitte, deren erster mit drei aufeinanderfolgenden Solos (Viola, Violine, Cello) von unterschiedlichem, leicht zu erkennendem Charakter eröffnet wird, unmittelbar gefolgt von der „Amplifikation“ des bisher Exponierten in allen drei Instrumenten. Der zweite Abschnitt ist im Wesentlichen eine Folge von „Variationen über ein abwesendes Thema“ in durchgehend schnellem Tempo. In auffallendem Kontrast dazu steht der dritte Abschnitt, ein Largo desolato, in dem die einzelnen, statischen akkordischen Strukturen, die in der Soloviola zu Beginn des Werkes zu hören waren, auf vielfache Weise abgetastet werden. Der letzte Abschnitt, der vielleicht als eine verhältnismäßig kurze Kombination der Charakteristika von Scherzo und Rondo gesehen werden könnte, beginnt mit vielen Glissandi in hoher Lage, wird zunehmend vehementer und verdichtet sich zum Polyphonen, während er in tiefere Regionen abtaucht.

Diese Hauptabschnitte werden durch die vielfach eingeschobenen Statements der „Interventionen“ voneinander getrennt. Es sind dies vier kurze Texturtypen, die im Verlauf des Stückes allmählich die Verantwortung für die Substanz des Diskurses bernehmen – und zwar dergestalt, dass sich gegen Ende das finale Statement der Intervention I als ein wie in die Ferne gerückter fragiler selbständiger Satz präsentiert, in dem das harmonische Ausgangsmaterial sukzessive nach unten transponiert wird, bis das Stück schließlich in den tiefen Lagen des Ensembles erlischt. Charakteristisch für diese Kategorie der Intervention wie auch für das Largo desolato ist die konsequente Verwendung von Achtelton-Mikrointervallen. Mein Streichtrio ist ein Auftragswerk des Festival d’Automne de Paris und dem Trio Contrechamps zugeeignet.

Brian Ferneyhough (Übersetzung: Friederike Kulcsar)

InterpretInnen: 

Brian Ferneyhough (GB), Komposition

ensemble recherche (D)
Melise Mellinger, Violine
Barbara Maurer, Viola
Åsa Åkerberg, Cello