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Konzert
Uraufführung

Termine: 

07/10/2011 - 19:30

Orte: 

  • Helmut-List-Halle

Biografien: 

Konzertkammer

Brice Pauset (c) Brice Pauset
Konzertkammer by Brice Pauset | Klangforum Wien (mp3, 4.8mb) © ORF musikprotokoll
Konzertkammer (2009) Neufassung - 12´

Das Konzert impliziert schon strukturell von seiner Idee her Dialog und Diskussion. Im Allgemeinen und um im Bereich der rhetorischen Metapher zu bleiben, entstehen die musikalischen Lösungen durch die Art der Vermittlung. Bei diesem neuen Stück habe ich versucht, mindestens genauso an den Bedingungen des Dialogs zu arbeiten wie an seinen Argumenten selbst. Demosthenos ist für solch eine Dichotomie ein gutes Beispiel, wenn man an seine seltsamen Übungen denkt, bei denen der Redner seine Ansprachen mit Kieselsteinen im Mund am offenen Meer stehend bis zur Perfektion einstudierte. Vom Kammerkonzert vollzieht sich der Übergang zur Konzertkammer weniger durch eine Umkehrung als vielmehr durch eine Veränderung des Standpunktes oder besser noch, durch den Übergang auf eine Vielzahl von sich ständig bewegenden Standpunkten. Sollte zur Erklärung ein außermusikalisches Bild notwendig sein, würde ich gerne den Begriff der Demokratie heranziehen, die in den letzten zwanzig Jahren allmählich zu einer diplomatisch-strategischen Ware wurde, welche sich – gegebenenfalls mit Gewalt – exportieren lässt. Wenn wir eine menschenwürdige Welt bewohnen wollen, werden wir uns wieder auf das Wesen der Demokratie selbst als einen ständig zu hinterfragenden und vor allem für ihre widersprüchlichen Deutungen offenen Prozess besinnen müssen. Mich haben immer schon die Krisen interessiert, ebenso wie einige außergewöhnliche Katastrophen; in diesem ersten Satz eines in Hinblick auf die Form noch ausgefeilteren Werkes ist das Solo-Klavier – umkreist, konfrontiert, absorbiert, ausgeschlossen oder ignoriert vom Orchester – unter permanenter eigener Wandlung der Ort des Situationstheaters, oft am Rande der Aporie, ja sogar des Unmöglichen.

Brice Pauset

InterpretInnen: 

Brice Pauset (F), Komposition
Klangforum Wien (A)
Clement Power (GB), Dirigent
Florian Müller (D/A), Klavier